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"Wir sind keine Lückenbüßer!"

"Wir sind keine Lückenbüßer!"
Zeit für die Kunden hat auch Verkäuferin Anja Strucken. FOTO: Daniel Uebber
Boisheim. Rund vier Wochen nach der Eröffnung des neuen Boisheimer Dorfladens ziehen die Verantwortlichen Bilanz: Das "BoDo" wurde gut angenommen, aber jetzt müsse es weiter gehen. Von Daniel Uebber

Beim Pressegespräch rund um die ersten Wochen des neuen Boisheimer Dorfladens geht es in diesem zu, wie in einem Taubenschlag. Pausenlos ertönt der Gong, wenn ein neuer Kunde das Ladenlokal am Pütterhöfer Weg betritt. "Die Menschen haben wir nicht extra für den heutigen Termin bestellt, hier ist immer jede Menge los", sagt Rüdiger Ramakers, Geschäftsführer der gemeinnützigen DORV-Zentrum Boisheim GmbH, die den Dorfladen betreibt. Vor rund vier Wochen wurde der Dorfladen eröffnet, Zeit, einmal nachzufragen, ob die Beteiligten mit der Anlaufphase des Projekts zufrieden sind. "Im Großen und Ganzen ja", sagt Michael Wolter, der ebenfalls Geschäftsführer ist.
In den ersten paar Tagen nach der Eröffnung sei die Neugier noch recht groß gewesen, jetzt befinde man sich jedoch in einer Phase, in der sich die Stammkundschaft bilde, erklärt Rüdiger Ramakers.
"Wir brauchen schon noch mehr Kunden, um den Dorfladen wirtschaftlich betreiben zu können. Aber wir setzen viel Hoffnung in den Anbau der Cafeteria, die im Frühjahr 2016 fertig sein soll", sagt Ramakers, der noch einmal das Konzept des Dorfladens umreißt: "Wir bieten Produkte und Lebensmittel für den täglichen Bedarf an, wollen aber gleichzeitig kein Lückenfüller sein für diejenigen, die beim Einkauf im Discounter etwas vergessen haben."

Käse, Wurst, Brot, Hygieneartikel - im Dorfladen gibt es Artikel für den täglichen Bedarf. Das kommt bei den Boisheimern gut an. Der Weg, ein richtiges "Dorfzentrum" zu werden, sei aber noch nicht abgeschlossen, sagt Rüdiger Ramakers.

Wolbert Hammes kommt gerne in den Dorfladen. "Gar nicht mal so sehr, um hier einzukaufen. Aber man trifft hier immer den einen oder anderen, kann in Ruhe einen Kaffee trinken und erfährt, was im Dorf so los ist", sagt der Boisheimer."Und wenn ich dann schon mal hier bin, dann nehme ich auch schon mal ab und an eine Scheibe Wurst mit nach Hause", so Hammes. Damit ist der Boisheimer nicht alleine: "Unsere absoluten Verkaufsrenner finden sich an der Frischetheke: Käse, Wurst, Fleisch, aber auch frische Milch", sagt Rüdiger Ramakers.

Im Sortiment des Dorfladens finden sich die Dinge, die man für den täglichen Bedarf braucht. "Wir passen das Angebot aber den Wünschen unserer Kunden an. So bieten wir jetzt auch lactosefreie Milch an", sagt Ramakers. Zwar sei im Dorfladen "immer etwas los", doch sei die Kundenfrequenz in den vergangenen Wochen etwas rückläufig gewesen. "Ich denke mal, viele haben sich den neuen Edeka-Markt in Dülken angesehen, aus reiner Neugier. Dann kommen die Weihnachtsmärkte. Im Moment gibt es einfach viele Alternativ-Angebote. Aber eigentlich wollen wir uns mit diesen gar nicht messen", sagt Rüdiger Ramakers. So sei der Dorfladen bewusst für den kleinen Einkauf konzipiert. Mit den Verkäuferinnen könne man immer ein Schwätzchen halten. "Unser Motto hier lautet: 'Wir haben für jeden Zeit'. Und das wollen wir mit Leben füllen", sagt Ramakers.

Dass es funktioniert, dessen sind sich Michael Wolters und Rüdiger Ramakers sicher: "Einmal kam eine alte Dame mit ihrem Rollator in den Dorfladen. Sie erzählte, dass sie zum ersten mal seit 20 Jahren alleine einkaufen gehe", sagt Ramakers. Solche Geschichten seien es, die den Verantwortlichen Mut machen würden, ihr Projekt weiter zu verfolgen. "Auf Dauer müssen wir schon dafür sorgen, dass noch mehr bei uns eingekauft wird", sagt Michael Wolters. "Doch wenn erst einmal das Café fertig ist, gehen wir davon aus, dass sich Dorfladen und Café gegenseitig befruchten werden", ergänzt Ramakers. Schon in Kürze soll mit den ersten Betonierarbeiten begonnen werden. Im Frühjahr 2016 soll das Café fertig sein.

(StadtSpiegel)
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