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Vom Flüchtling zum Azubi

Vom Flüchtling zum Azubi
Die syrischen Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Krankenpflegeassistenz im AKH Viersen demonstrieren ihre Arbeit: Mohab Akkad (rechts) misst den Blutdruck. Ehab Alhamwi spielt den Patienten. FOTO: Carsten Preis/AKH
Viersen. Vom Flüchtling zum Azubi am Allgemeinen Krankenhaus AKH Viersen: Ehab Alhamwi absolviert eine Ausbildung am Krankenhaus und unterstützt weit über das Fachliche hinaus. Von der Redaktion

Ehab Alhamwi erinnert sich an seinen peinlichsten Moment in Deutschland ganz genau. Als der Syrer Ende 2014 als Flüchtling hier ankam, sprach er kein Wort Deutsch. Die Kassiererin eines Geschäftes kein Wort Englisch. Er konnte sich nicht mitteilen, die Schlange hinter ihm wurde immer länger. „Das war mir sehr, sehr peinlich. Seitdem lerne ich Deutsch, wann immer ich kann.“ Heute ist die Verständigung für ihn und seinen Kollegen Mohab Akkad kaum mehr ein Problem. Beide machen im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Viersen eine Ausbildung. Das Krankenhaus unterstützt sie dabei weit über das Fachliche hinaus.

„Ich habe alles in Syrien zurückgelassen. Von dort habe ich nichts mehr, nur manchmal Heimweh“, sagt Alhamwi. Der 25-Jährige hat gerade im AKH ein Praktikum absolviert. Im Oktober beginnt seine dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. In Syrien war er Student. Doch seine Schulausbildung wurde in Deutschland nur teilweise anerkannt. „Ein typisches Problem“, sagt Dorothee Böckels, Pflegedienstleiterin im AKH Viersen.

Das kennt auch der 27-jährige Mohab Akkad. Er durchläuft seit März 2017 die einjährige Ausbildung zum Krankenpflegeassistenten. Sein Kollege Alhamwi hatte sich schon in Syrien für medizinische Themen interessiert. „Ich helfe gerne, man bekommt viel von den Patienten zurück“, sagt er. Akkad wohnte zwischenzeitlich bei einer älteren Dame, die schließlich pflegebedürftig wurde. So entdeckte er sein Interesse an der Ausbildung.

Akkad und Alhamwi bräuchten mehr Unterstützung als heimische Azubis, sagt die Pflegedienstleiterin. „Sie müssen quasi zwei Fremdsprachen gleichzeitig lernen: Deutsch und die medizinische Fachsprache.“ Unterstützung bekommen die beiden auch bei Behördengängen, der Wohnungssuche und vielen anderen Dingen. „Das machen wir gerne“, sagt Böckels weiter.

Fleißig, freundlich, zuvorkommend und pünktlich seien Akkad und Alhamwi. Bei Kollegen und Patienten sind sie beliebt. „Wir erhalten zwei motivierte und qualifizierte Mitarbeiter in einem Beruf, der dringend Nachwuchs benötigt“, begründet Kim-Holger Kreft, einer der beiden Geschäftsführer im AKH Viersen, das Engagement für eine praxisnahe und gelebte Integration.

Alhamwi will sich später im Bereich Anästhesie und Intensivpflege weiterbilden. Akkad will nach der Ausbildung zum Krankenpflegeassistenten die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnen. „Weil Weiterbildung einfach wichtig ist“, findet er.

(StadtSpiegel)