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Wohnungsmarkt in Viersen
VAB will neu bauen anstatt den Bestand zu halten

Wohnungsmarkt in Viersen: VAB will neu bauen anstatt den Bestand zu halten
Mitglieder der SPD-AG 60+ besuchten am Mittwoch die VAB. FOTO: Uebber
Viersen. Wie wird sich die Wohnlandschaft in Viersen verändern? Was sind die Herausforderungen, wo liegen die Chancen? Und wie werden wir in Zukunft wohnen? Das waren die Fragen der SPD-AG 60+, die vergangene Woche gemeinsam mit Jochen Häntsch der Viersener Aktienbau Gesellschaft (VAB) einen Besuch abstattete. Von Daniel Uebber

4,80 Euro pro Quadratmeter zahlt der "Durchschnitts-Mieter" in Viersen an Miete - deutlich weniger als die Menschen im Landesschnitt, der derzeit 7,25 Euro beträgt. "Die Mieten in Viersen sind zu gering. Wir müssen aufpassen, dass wir dadurch nicht in einen negativen sozialen Sog geraten. Das kann Viersen schnell überlasten. Denn für diese Menschen muss die Stadt über mehrere Schienen soziale Leistungen zahlen", sagt VAB-Vorstand Albert Becker.

Die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Viersen betreut 3.700 Wohneinheiten im Stadtgebiet, 2.900 davon vermietet sie selbst, 800 werden verwaltet. In vielen davon leben Menschen mit eher geringem finanziellen Einkommen. Ein großer Teil bezieht Hartz IV. "Hier kommt das nächste Problem auf uns zu, denn mit der Bearbeitung der Transferleistungen durch die ARGE hat es in den letzten Jahren durchaus immer wieder Probleme gegeben", beklagt Becker. Allerdings habe es bezüglich dieses Problems bereits hoffnungsvolle Gespräche mit der neuen Leitung der ARGE gegeben.

Trotz dieser Probleme sei die VAB aber gut aufgestellt. Und das obwohl sich die Wohnungsbaugesellschaft weiteren Herausforderungen stellen muss: "In Viersen gibt es ein Überangebot von Drei-Zimmer-Wohnungen - und zu wenige Kleinraumwohnungen", sagt Albert Becker. Aufgrund des demographischen Wandels, es gibt immer mehr Ein-Personen-Haushalte, passen diese Wohnungen nicht mehr. Auch das Thema "Barrierefreiheit" wird nach wie vor groß geschrieben. "Und dabei geht es nicht nur um Senioren. Auch jüngere Generationen haben diesen Anspruch", sagt Becker. Auch die Nutzungsdauer von Mietwohnungen habe sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. "Heute haben wir eine Mieterfluktuation von unter fünf Jahren", so Becker. "Leider ist es so, dass die Wohnungen oft in einem miserablen Zustand hinterlassen werden.

Wohnungen und Häuser, die aus VAB-Sicht nicht mehr wirtschaftlich modernisierbar sind, werden daher an den freien Markt veräußert. "Den Bestand auf jeden Fall zu halten - diese Strategie fahren wir schon länger nicht mehr. Wir setzen eher auf qualitativen Neubau", sagt Becker.

Investiert wird dabei nicht nur in einen nachfragegerechten Wohnungsbau, sondern auch in die wohnortnahe Infrastruktur, wie Nachbarschaftstreffs, Kinderbetreuung, oder in Pilotprojekte wie das Multi-Living-Home. "Von reinen altersgerechten Wohnunterkünften, beispielsweise mit der Unterbringung eines karitativen Gesundheitsanbieters im Erdgeschoss eines Wohnhauses aber halten wir nichts. Wir wollen keine Ghettos bauen - nicht für Alte, nicht für Junge und nicht für Behinderte. Wir setzen auf eine gesunde Wohndurchmischung. Nur so kann aus unserer Sicht eine Stadt funktionieren."