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Tradition und Integration

Tradition und Integration
Der Nachwuchs begab sich auf die Spuren seiner kulturellen Wurzeln. FOTO: stb
Viersen. Wir sind alle Kinder dieser Welt - unter diesem Motto begab sich der Nachwuchs der kosovarisch-albanischen Gemeinde auf die Spuren ihrer kulturellen Wurzeln. Von Susanne Thewißen-Beckers

Havjola, Diana, Donjeta und Elta sind sichtbar aufgeregt. Die vier jungen Damen hinter den Kulissen des evangelischen Gemeindehauses haben heute Jeans und Turnschuhe gegen die traditionelle Tracht aus dem Kosovo getauscht.

Lange haben sie mit ihrer Tanzgruppe geübt, bevor es gleich auf die Bühne geht. Heute ist für sie und die vielen anderen Kinder und Jugendlichen ein besonderer Tag. 103 Jahre ist es her, seit Albanien unabhängig wurde und seit sieben Jahren die Heimat ihrer Eltern: der Kosovo. Einmal im Jahr treffen sich im Gemeindehaus alle Generationen der kosovarisch-albanischen Gemeinde in Viersen, um das zu feiern. Aber heute passiert hier noch mehr. Ausrichter des jährlichen Schülerwettbewerbs rund um Sprache und Kultur des Kosovo, an dem 14 Schulen aus unterschiedlichen Städten Nordrhein-Westfalens teilnehmen, ist dieses Jahr ebenfalls die Viersener Gemeinde. Anita Cjupi ist 16, nächstes Jahr macht sie ihr Abitur. Letztes Jahr stand sie noch selbst auf der Bühne. Die junge Frau ist bereits in Deutschland geboren. Die albanische Muttersprache hat sie schon früh im Elternhaus parallel zur deutschen Sprache erworben. Zehn Jahre hat sie zusätzlich einmal in der Woche Nachmittags die Sprache und Kultur ihrer Vorfahren in einer Schule gelernt. Deutschland ist ihr Zuhause, hier will sie auch studieren, aber heimatlich verbunden fühlt sie sich auch mit dem Kosovo. Der Chemielehrer Adem Shala ist seit 19 Jahren in Deutschland und unterrichtet hier in Viersen Kinder mit kosovarisch-albanischem Migrationshintergrund in Sprache und Kulturgeschichte ihrer Eltern. Das ist für ihn, neben Integration in der neuen Heimat, ein ganz wichtiges Anliegen.

Viele Gäste können sich noch gut an die Zeit in Flüchtlingsübergangslagern erinnern. Heute haben sie sich längst eine neue Existenz in Deutschland aufgebaut und sind heimisch geworden, ohne dabei ihre alte Heimat zu vergessen. Ex-Ratsherr Jochen Häntsch ist zum fünften Mal dabei und vielen der Gastgeber persönlich verbunden. Auch in diesem Jahr ist der ehemalige Schulleiter begeistert von dem, was besonders die Kinder hier auf die Bühne bringen. „Ungeheures Integrationsbestreben und das Pflegen von Wurzeln müssen kein Widerspruch sein“, sagte Jochen Häntsch.

(Report Anzeigenblatt)
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