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Tradition oder neuer Schulversuch

Tradition oder neuer Schulversuch
Schuldezernent Dr. Paul Schrömbges sichtet seine Unterlagen vor der brisanten Schulausschusssitzung. FOTO: B. Rudakowski
Viersen. "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen", so begann und endete der Schuldirektor der Realschule an der Josefskirche, Hartmut Banniza, seine Anhörung in der Schulausschusssitzung am vergangenen Donnerstag im Forum des Viersener Rathauses. Von der Redaktion

Schuldezernent Dr. Paul Schrömbges hatte im Vorfeld die Empfehlung ausgesprochen, die schon seit 51 Jahren bestehende Realschule an der Josefskirche zum zweiten Standort der Viersener Primusschule werden und die Realschule deshalb schließen zu lassen. Als weitere Alternative für den Ausbau der Primusschule nannte Schrömbges die Schließung des Clara-Schumann-Gymnasiums. Er favorisiere jedoch die Schließung der Realschule (der Stadt Spiegel berichtete).

Die Primusschule ist ein Schulversuch und Überbleibsel der alten Landesregierung. Stimmen wurden in Viersen laut, dass die Politik auf Kosten der Realschule an der Josefskirche am schulischen Testballon der Primusschule festhalten möchte.

Im Internet und den Sozialen Netzwerken ist die Empörung daher groß. Die Online-Petition: "Die Realschule an der Josefskirche darf nicht schließen" unterstützten schon nach wenigen Tagen über 900 Bürger aus Viersen.

Man durfte also gespannt sein, wie die Resonanz auf die öffentliche Schulausschusssitzung ausfiel.

Das Forum platzte aus allen Nähten und glich einer Sportarena. Kein Fleck, der nicht besetzt war.

Schulleiter Hartmut Banniza brachte in einer beachtlichen Rede Argumente auf den Tisch, die einer Schließung der Realschule an der Josefskirche zuwider liefen und relativierte die Angaben der Stadtverwaltung deutlich. Der Schulausschuss habe auf die gesetzlichen Vorgaben des Ministeriums reagieren müssen. Aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen in Viersen seien die Überlegungen zu einer Umsteuerung notwendig geworden, hieß es in der Sitzung. Schnell sei den Verantwortlichen jedoch klar geworden, dass eine geplante Entscheidung in diesem Monat wohl zu ambitioniert gewesen sei.

Die Ausschusssitzung wurde sachlich und ohne nennenswerte Störfälle vollzogen. Hier und da gab es sogar Beifall von den Rängen, den Ausschussvorsitzender Dr. Jürgen Moers (CDU) mit Humor und Wohlwollen quittierte.

Die SPD-Fraktion erhoffte sich ein klares Ergebnis in der Schulausschusssitzung zu erzielen, damit für Eltern und Schüler Planungssicherheit bestünde. Daraus wurde jedoch nichts, denn die anderen fünf Fraktionen des Rates stellten einen Prüfauftrag, der letztendlich für Viersen die bestmögliche Entscheidung vorantreiben soll.

Ist das jetzt die Rettung für die beiden Schulen oder ist aufgeschoben nicht aufgehoben?

Ein Besucher der Ausschusssitzung machte seinem Unmut hinterher Luft: "In der heutigen Zeit gilt es das Bildungssystem zu stärken. Schulen zu schließen ist das falsche Signal", ereifert sich der Vater eines schulpflichtigen Kindes. "Niemand im Rat hat mich davon überzeugen können, dass die Schließung einer Schule in Viersen keine verdeckte Einsparung sein soll. Mit Verbesserung der Qualität der Schulstruktur hat dies weniger zu tun", glaubt er zu wissen.

Der Schulpflegschaftsvorsitzenden der Realschule an der Josefskirche, Anja Jann ist nicht daran gelegen, jemandem den Schwarzen Peter unterzuschieben. "Die Schüler und das Lehrergremium haben einen respektvollen Umgang verdient", klingt sie fordernd und kann ihr Misstrauen nach der Schulausschusssitzung, trotz des erteilten Prüfauftrages, nicht verbergen.

"Ich bin froh, dass so viele Viersener ihr Interesse am Erhalt der Realschule an der Josefskirche zum Ausdruck bringen. Wenn Politik und Stadtverwaltung davor die Augen verschließen, kann man sich nur Fragen, welche Interessen sie vertreten", kann sie sich die Bemerkung dann doch nicht verkneifen.

(StadtSpiegel)