| 12.42 Uhr

Theater im Studiobühnen-Flair

Theater im Studiobühnen-Flair
Diese Puppen sind ganz spezielle Kameraden. FOTO: Stuffed Puppet Theatre
Viersen. Ein Kleinod unter den Abonnementangeboten der Stadt Viersen ist das Studio-Abo, das neben großen Schauspielproduktionen auch hochkarätiges Figurentheater für Erwachsene präsentiert. Von der Redaktion

Der Einsatz mobiler Zuschauertribünen und der vom Förderverein Festhalle gestifteten Abtrennung ermöglicht es der Kulturabteilung, eine Besuchersituation zu schaffen, die auf die fünf eingekauften Produktionen genau zugeschnitten ist, das heißt, die Zahl der Besucher kann zwischen 150 und höchstens 400 Personen variieren.

Den Auftakt bildet mit maximal 150 Festhallengästen am 21. Oktober die intimste der eingeladenen Inszenierungen. „Macbeth für Anfänger“, ein Theatervergnügen allerersten Ranges, steht auf dem Programm, großartig auf die Bühne gebracht von Joachim Torbahn und Tristan Vogt vom Figurentheater „Thalias Kompagnons“, die ihr Können auf der Festhallenbühne 2014 bereits im Rahmen der aufsehenerregenden Zauberflöten-Bearbeitung unter Beweis stellen konnten.

Diesmal plant ein von Ehrgeiz besessener Puppenspieler eine Aufführung von Shakespeares “Macbeth”, und zwar ohne seine alten Kasperpuppen. Als die davon erfahren, kommt es zum Aufstand und das Ensemble beginnt hinter dem Rücken des Puppenspielers mit der Einstudierung der Tragödie. Aufgrund der Zuschauerbegrenzung wird „Macbeth für Anfänger“ am 22. Oktober ein zweites Mal gezeigt.

Mit Spannung erwartet wird auch das Gastspiel des weltweit bekannten Figurentheaterspielers Neville Tranter, der am 10. Januar 2016 mit seiner Arbeit „Mathilde“ zu sehen sein wird. Zart, zäh und zerzaust hängt sie an einer Garderobenstange: die 102-jährige Mathilde. Längst ist es Zeit zu gehen, doch die alte Dame wartet auf ein Zeichen ihres Liebsten aus vergangenen Zeiten, vorher wird sie nicht abtreten. Das neueste Stück des mit Preisen überhäuften Australiers ist der erste Teil einer geplanten Trilogie über das Alter. Mit seinen lebensgroßen Puppen, seinem rabenschwarzen Humor – immer verbunden mit einem Augenzwinkern – zieht er das Publikum wieder in seinen Theaterkosmos hinein.

Schauspiel in großer Besetzung prägt die weiteren Abende in Studioatmosphäre: „Rose Bernd“, eine Koproduktion von den Ruhrfestspielen Recklinghausen, dem Théâtre National du Luxembourg und dem Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, die 2013 auf der großen Bühne des Recklinghäuser Festspielhauses Premiere feierte, ist am 4. Dezember zu Gast. Inszeniert hat Gerhart Hauptmanns kleinbürgerliches Trauerspiel Frank Hoffman, der Intendant der Ruhrfestspiele. Er hält sich in seiner Arbeit eng an die 110 Jahre alte Vorlage, verlegt jedoch die Geschichte der jungen Landarbeiterin Rose in eine Heilanstalt des 21. Jahrhunderts.

Hochkarätig besetzt sind die Protagonisten des spannenden Theaterabends: Als erstes ist die herausragende Hauptdarstellerin Jacqueline Macauly zu nennen, in weiteren Rollen sind die Theater- und Fernsehschauspieler Ulrich Gebauer und Wolfram Koch zu sehen.

Gesellschaftliche Unzulänglichkeiten, Alltäglichkeiten, Nichtigkeiten, zerstörte Illusionen, große Emotionen prägen auch die Welt in Anton Tschechows Drama „Onkel Wanja“, das am 9. März 2016 das Theater Poetenpack, ein freies professionelles Ensemble aus Potsdam, bei seinem Viersener Gastspiel präsentiert. Die „Szenen aus dem Landleben“ erzählen von einer Handvoll Menschen, deren sogenanntes normales Leben während eines russischen Sommers in bedenkliche Schieflage gerät. Die von Regisseur Andreas Hueck fein skizzierten Charaktere, die auf einem Landgut aufeinander treffen, werden von facettenreichen Darstellern wunderbar in Szene gesetzt. Mit sieben Schauspielerinnen und Schauspielern bietet der Abend dem Viersener Schauspielpublikum eindrucksvolles literarisches Theater.

Es ist mittlerweile gern angenommene Tradition, dass eine Produktion des Theaterfestivals „Spielarten“ den Studio-Abonnenten zusätzlich angeboten wird. In diesem Jahr ist es eine Bearbeitung von Kafkas Meisterwerk „Der Prozess“, aufgeführt vom Duisburger KOM’MA-Theater. Da sich diese Inszenierung auch an Menschen ab 15 Jahren richtet, beginnt sie bereits um 19 Uhr. Alle weiteren Abende beginnen um 20 Uhr, wobei man die Einführung um 19.30 Uhr im Ernst Klusen Saal der Festhalle nicht verpassen sollte.

Abonnements zum einmalig günstigen Preis von 45,- Euro gibt es ab sofort bei der Kulturabteilung der Stadt Viersen, Heimbachstraße 12 in Viersen (Tel. 02162/101466 oder 101468.

(Report Anzeigenblatt)