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Mit Herz und Kinderseele

Mit Herz und Kinderseele
Femke Krügel hilft ihrem Mann im Spatzenstübchen, wo sie kann. Oft ist auch Töchterchen Polli dabei. Fotos: Gina Dollen
Viersen. Ein entspanntes Frühstück im Café – mit Kindern gar nicht so einfach. Eltern versuchen leise zu sein, nicht aufzufallen, die Kinder "in Schach" zu halten. Damit Familien beim Café-Besuch einfach sie selbst sein können, haben Femke Krügel und Etienne Peitz-Eickels das Kindercafé "Spatzenstübchen" in Viersen eröffnet. Von Gina Dollen

"Puh, gerade noch den letzten Platz bekommen", sagt Kathleen Rausch erleichtert, während sie es sich mit der fünf Monate alten Charlotte an einem der Tische im Kindercafé gemütlich macht. Auch Freundin Stefanie Bauer hat den kleinen Heinrich mitgebracht. "Im normalen Café werde ich schon schräg angeschaut, wenn mein Sohn weint, ganz zu schweigen vom Stillen. Hier können wir mit den Kindern im Spielraum toben, hin und her laufen und uns richtig heimisch fühlen", erklärt die junge Mutter ihre Begeisterung für das Kindercafé Spatzenstübchen. Dort können Familien einfach Familien sein und müssen sich nicht verstellen.

Rückblick: Femke Krügel und ihr Mann Etienne Peltz-Eickels hatten eigentlich nur ein neues Eigenheim gesucht. Das perfekte Haus in Noppdorf war auch schnell gefunden, hatte aber einen kleinen Haken. Es war zu groß für das Paar und die zwei Kinder. Im unteren Geschoss befand sich früher die Traditionskneipe "Zum Dorfkrug" - und die brachte die junge Familie auf eine Idee. "In größeren Städten und auch in Mönchengladbach gibt es schon so etwas wie Kindercafés. Dort bezahlt man aber Eintritt. Alles ist irgendwie einen Tacken drüber und eher so wie ein Indoor-Spielplatz", erklärt Femke Krügel. So kam ihr Mann auf die Idee, die alten Kneipe in sein eigenes Kindercafé zu verwandeln. "Normalerweise heißt es oft 'entweder oder'. Entweder die Eltern haben Ruhe und die Kinder Langeweile, oder die Kinder haben Spaß und die Eltern Stress", sagt Femke Krügel. Genau das wollen sie und ihr Mann im "Spatzenstübchen" besser machen.

So entstand in einem knappen Jahr ein kleines Paradies für Familien. Der in freundliche Pastellfarben getauchte Eingangsbereich versprüht mit Retro-Möbeln, leckeren Gerichten auf der Tafel und Kinderklamotten an den Wänden eine ganz besondere Atmosphäre. Einmal um die Ecke gelaufen, steht man in einem Spieleparadies für Kinder mit Bällebad, Minischaukel und Spielzeug. Auch Femke Krügel setzt sich schon mal zu den Kindern oder lässt Tochter Polli und Sohn Mats im Spielraum toben. "Dann kann es sein, dass mir jemand von vorne zuruft, ob er einen Kaffee haben könne. Das kann vielleicht auch mal etwas dauern, was hier aber niemanden stört. Wir sind eine gute Mischung aus professioneller Arbeit und Freiraum", erklärt sie.

Auch das Menü gestaltet sich im Spatzenstübchen besonders. Denn auf der Karte finden sich ausschließlich Biosäfte. Das Brot, der Kuchen und die Marmeladen werden selbst gemacht. Auch das Rührei wird schon mal von "der Chefin" persönlich in der Küche gebraten. Für Naschkatzen finden süße Muffins ihren Weg unter die Kuchenglocke auf der Theke. "Ein guter Mix zwischen Dinkelbrot und Muffins", scherzt Femke Krügel.

Seit knapp vier Monaten hat das Herzensprojekt der Familie jetzt geöffnet. Mittlerweile hat sich eine richtige Stammkundschaft entwickelt. Krabbelgruppen treffen sich einmal in der Woche im Café, Omas, Papas und Mamas kommen mit ihren Kindern vorbei. Sogar Geburtstage von Erwachsenen, bei denen Kinder unter den Gästen sind, werden im Spatzenstübchen gefeiert. "Mit so einem Zuspruch hätten wir gar nicht gerechnet", gibt die junge Mama und Sonderpädagogin freudig zu und schaut sich glücklich im prall gefüllten Café um.

(Report Anzeigenblatt)