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Leserbrief
Warum gibt es keine eingezäunten Freilauf-Flächen?

Viersen. Rund um den Fall des gerissenen Rehs an den Süchtelner Höhen schrieb uns Sara Liedgens aus Viersen folgenden Leserbrief: Von der Redaktion

"Über Ihre Kolumne "Erziehen oder an die Leine" war ich mehr als enttäuscht. Um erst einmal eines vorweg zu nehmen: Kein Mensch wünscht sich gehetztes oder gerissenes Wild in unseren Wäldern. Auch der aufgeführte Fall ist sehr bedauerlich. Kein Hundehalter provoziert mit Absicht ein solch tragisches Ereignis und schon gar nicht mit seinem eigenen Hund. Ich selbst habe einen Hund, der im öffentlichen Raum nicht abgeleint wird, da er starken Jagdtrieb hat und im Zweifel nur schwierig abrufbar ist. Diese Verantwortung nehme ich absolut ernst und lasse meinen Hund nur auf eingezäuntem Gelände frei laufen, aber: Wir sollten doch nicht vergessen, das unsere Hunde Jagdgene in sich tragen. Auch die Domestizierung hat dies bisher nicht ändern können und gerade Jäger schätzen diese Eigenschaft an ihren Hunden.

Die Jagd und das Reißen von Beute ist etwas, was noch vor gar nicht langer Zeit von vielen Menschen sehr geschätzt wurde. Das hetzen von Wildtieren o.ä. mag nicht mehr "gesellschaftsfähig" sein, das Risiko besteht jedoch zu jeder Zeit. Die Menschen wünschen sich Hunde als Freund, Wegbegleiter, Seelentröster, Rettungs- und Begleithund, verteufeln jedoch die Urinstinkte des Tieres. Sich mit allen Facetten ihres Wesen auseinanderzusetzen ist unsere Pflicht und unsere Verantwortung.

Die Gefahr, dass Tiere auf Fahrbahnen getrieben werden (was sicherlich auch bei einer Gesellschaftsjagd geschehen kann), Unfälle verursachen und Menschen dabei zu Schaden kommen, ist jedoch gegeben und darf nicht wegdiskutiert werden. Hier sollte alles erdenkliche getan werden um dies zu verhindern. Ich kenne viele Hundebesitzer, die sich dieser Verantwortung durchaus bewusst sind und dementsprechend handeln (auch wenn dies ausschließlich Leinenausgang bedeutet).

Das wir Menschen jedoch in großem Stile den Tieren die Lebensräume nehmen und ihren Platz auf das minimalste reduzieren, um Straßen, Bahntrassen, Autobahnen, Vergnügungsparks entstehen zu lassen, sollte jedoch dabei auch einmal erwähnt werden. Unsere Wildtiere brauchen Lebens- und Bewegungsraum! 

Es wäre schön gewesen, wären zu diesem Themen einmal repräsentative Zahlen oder Statistiken genannt worden. Gerne auch mit nationalem Bezug. Sind die Zahlen wirklich drastisch in die Höhe gegangen? Da viele Menschen leider nicht mehr in der Lage sind zu differenzieren, führt ein solch wenig differenzierter Bericht zu einer Stigmatisierung aller Hunde- und Hundebesitzer, die jeder Objektivität entbehrt. 

In Ihrem Bericht wurde noch einmal besonders hervorgehoben, dass das gerissene Reh trächtig war. Dies wird einige Menschen sicherlich noch einmal mehr berühren. Trotz aller Tragik sollte man sich dann vielleicht auch einmal vor Augen führen, wie viele Rehkitze jährlich von Mähdreschern geschrddert werden oder geschossene Tiere aufgrund mangelnder Schießfähigkeiten der Jäger leiden. Hier sind die Zahlen vermutlich bedeutend höher. 

Und um es noch einmal deutlich zu sagen: auch der Rehrücken zu Weihnachten wächst nicht an den Sträuchern. Für mich ist das ganze Thema geprägt von einer gewissen Doppelmoral, die niemandem wirklich hilft.

Zu einem solchen Bericht gehört es vor allen Dingen auch, an alle Hundehalter aber auch Verkehrsteilnehmer (im Falle eines Wildunfalles) eindringlich zu appellieren, sich in einem solch traurigen Fall an die entsprechenden Behörden zu wenden, damit eventuell verletzte Tiere nicht länger leiden müssen und schnellstmöglich erlöst werden können. Es ist zu befürchten, dass aufgrund solcher Berichte die Angst geschürt wird, sich in einem solchen Fall an die Behörde zu wenden. Es könnte auch einmal  hinterfragt werden, warum die Stadt Viersen keine eingezäunten Grünflächen zur Verfügung stellt, wo Hunde gefahrlos frei laufen könnten. 
Durch die Einnahmen der Hundesteuer (pro Hund 100 Euro, für jeden weiteren mehr) sollte dies machbar sein."