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Leidenschaft für die Laubsäge

Leidenschaft für die Laubsäge
Karl Hans Weber beim Laubsägen, einer italienischen Erfindung aus dem Jahr 1562. FOTO: Ohmer
Dülken. Seine Liebe und Leidenschaft zur Laubsägekunst spürt man gleich, wenn man mit Karl Hans Weber ins Gespräch kommt. Nachts kommen ihm oft die Einfälle für neue kreative Ideen mit Holz. Wir haben den Künstler in Dülken besucht. Von Claudia Ohmer

Schon im Hausflur begrüßt mich die Kunst - genauer gesagt die Laubsägekunst von Karl Hans Weber. Einige Wandbilder mit kleinteiligsten Ornamenten schmücken die Wände. Dazwischen prangt ein „Carpe Diem“ in sorgfältig ausgesägten Holz-Lettern.

Der Spruch wird gelebt - unten im Keller an seiner Werkbank zaubert der ehemalige Jurist viele Stunden lang Kunstwerke mit feinstem Sägeblatt. „Momentan arbeite ich an einer Lampe zu 500 Jahren Reformation“, erklärt der gebürtige Oberschwabe. „Ich habe mich auch eingelesen in die Geschichte um Martin Luther.“ Das Gesicht von Luther ist fast fertig ausgesägt und viele winzige Buchstaben, die später als Liedtext aufgeklebt werden, auch. „Nachts liege ich oft wach und denke nach, wie ich alles genau gestalte“, berichtet der 70-Jährige enthusiastisch. Überhaupt ist er sehr emotional in seiner Kunst, mit seinen Gedanken, wie er selbst sagt. Den „Dülkener Engel“ habe er auch des nachts kreiert. Er ist mit den Flügeln der Narrenmühle verziert.

Bei Stress mit der Frau (was so gut wie nie vorkommt) oder wenn er entspannen möchte, gibt es ein Ritual. „Dann säge ich erstmal ein kleines Vögelchen aus“. Danach sei die Welt wieder in Ordnung.

Und wenn die Frau häkelt, strickt und filzt geht Weber in den Keller und widmet sich seiner Kunst. Neben dem Sägen müssen auch Vorlagen aufgeklebt, mit schwarzen und weißen Stiften markiert werden, (was rausgesägt werden muss), Klebereste weggewaschen, manchmal noch geschliffen, lasiert und lackiert werden.

„Nebenbei bin ich auch noch leidenschaftlicher Musiker, spiele noch Klarinette und singe im Kirchenchor“, lächelt er. Leicht und locker sieht es aus, wenn er mit der rechten Hand die Säge hält und mit der linken Hand das Holz dreht. „Alles schön in Ruhe mit Muße, verkrampft ist verkehrt“ - das gibt er auch seinen Workshop-Kindern mit auf den Weg. „Dieser Workshop ist überhaupt das Schönste, was ich in Dülken auf den Weg gebracht habe“, sprudelt es aus Weber heraus. Und er erzählt: „Ich habe Mädchen gesehen, die nur mit ihrem Handy beschäftigt waren, und habe mir gedacht, das kann einfach nicht sein.“ So war irgendwann die Idee geboren. Jetzt sind es fast zwölf Kinder (ab sechs Jahren), denen er jeden Mittwoch im atC@fe das Laubsägen näher bringt. „Und es ist so schön, wenn Begeisterung entsteht - auch wenn es motorisch schwierig ist, aber wir singen und lachen beim Brettchen-Drehen“, freut er sich. Auch beim Weihnachtstreff seien sie wieder beteiligt, aber bis dahin müssen noch viele Sterne und Engel gesägt werden.

Selbst hat er mit 13 Jahren die Laubsäge für sich entdeckt. Aus Kassetten, Buchstützen, Krippenbildern wurden schnell auch filigranere Arbeiten: Bilder, Spiegel, Kreuze - die Dülkener Lampe ist ein Meisterwerk. Doch auch Lampen von Borussia oder dem 1. FC Köln sind als Auftragsarbeiten schon entstanden.

(StadtSpiegel)