| 11.09 Uhr

Immer an der Lippe lang

Horn-Bad Meinberg. Ohne weiten Flug, ohne Klimawechsel und mit nur wenig Erspartem: Urlaub in Deutschland geht auch. Wir haben die Römer-Lippe-Route mit dem Fahrrad getestet. Von Ulrike Mooz

Kein Rollkoffer, keine fünf Paar Schuhe, kein kleines Schwarzes – wer mit dem Rad unterwegs ist, nimmt nur das Nötigste mit. Dieses Jahr geht es von Horn-Bad Meinberg rund 250 Kilometer in vier Etappen über Bad Lippspringe, Lippstadt, Hamm, Haltern und Dorsten bis Wesel immer in der Nähe der Lippe entlang.

Radler, die die Römer-Lippe Route fahren, müssen den Radwegweisern mit dem Römerhelm auf rotem Hintergrund folgen – theoretisch, denn wer auch immer die Schilder aufgehängt hat, ist entweder noch nie Fahrrad gefahren oder befand sich im Zustand fortgeschrittener Sorglosigkeit. An so mancher Ecke fehlt eins, zeigt in die falsche Richtung oder lässt einen zum Beispiel die Externsteine im Teutoburger Wald dreimal umkreisen. Besser ist es also, eine eigene Fahrradkarte oder App am Start zu haben, statt sich auf die Beschilderung zu verlassen. Übrigens beinhaltet die Route auch kleine Umwege zu Sehenswürdigkeiten wie das Wasserschloss Gartrop in Hünxe oder das frühere Römerlager bei Olfen, das aber ein eher unspannender Platz mit ein paar Infotafeln ist. Diese kleinen Extratouren sind mit Römerhelm auf hellblauem Grund gekennzeichnet.

Für die etwas schildbürgermäßige Beschilderung wird der Radfahrer fürstlich entschädigt: mit einer wunderbaren Landschaft mit weitem Blick, und einer Tour, die für Radfahrerverhältnisse total unanstrengend ist. Konstanter, als auf anderen deutschen Radwanderwegen, geht es kontinuierlich leicht bergab, kleine Ausnahmen gibt es nur, wo Brücken überquert werden müssen. Und als Gimmick bietet die Tour noch zwischendurch kleine selbst bedienbare Lippefähren, mit denen man sich per Seilzug ans andere Ufer zieht.

Der als eher maulfaul und stur verschriene Westfale begegnet dem radelnden Rheinländer übrigens in beispielloser Hilfsbereitschaft. Da man gerne mit E-Bike unterwegs ist, macht es nichts aus, kurz vorzufahren, für Fremde, die den Weg nicht finden. Und wenn man samstagsnachmittags fernab irgendwelcher Fahrradläden in eine Scherbe fährt und einen falschen Ersatzschlauch dabei hat, findet sich prompt ein Westfale, der zu Hause im Keller nachgucken geht, ob da noch was Passendes vorrätig ist.

Die Auswahl der Gasthöfe ist üppig. Für 80 bis 100 Euro pro Doppelzimmer mit Frühstück übernachtet man schon ganz schön fürstlich. Aber wer ein bisschen sucht, bekommt es auch günstiger.

(Report Anzeigenblatt)