| 17.00 Uhr

Exil prägte Thelens Leben

Exil prägte Thelens Leben
Fotos von Albert Vigoleis Thelen (re.) sind ebenso ausgestellt wie weitere Exponate, zum Beispiel die Schreibmaschine. Die Zeittafel verdeutlicht den Ablauf des Lebens des Schriftstellers. FOTO: Ohmer
Viersen. Dem Leben und den Werken des Schriftstellers Albert Vigoleis Thelen (1903-1989) ist die neue Ausstellung des Vereins für Heimatpflege Viersen gewidmet. „Bewegt und interessant“ beschreibt Kuratorin Dr. Britta Spies sein Leben. Von Claudia Ohmer

„Selbst in seiner Heimatstadt Süchteln ist Albert Vigoleis Thelen wenig bekannt, obwohl er das Stadtlied gedichtet hat“, erklärt Dr. Albert Pauly bei der Vorstellung der Ausstellung „Meine Heimat bin ich selbst - Ein Leben im Exil“. „Wir versuchen damit Thelen bekannter und Appetit zu machen, auch mal ein Buch von ihm in die Hand zu nehmen“, berichtet Pauly weiter. Doch auch für die, die kein Buch lesen wollen, sei Thelen durchaus spannend.

Diese Erfahrung hat auch Kuratorin Dr. Britta Spies gemacht, die den Schriftsteller zuvor nicht kannte. „Je mehr ich mich in das Thema reingekniet habe, desto spannender wurde es.“ Seine Flüchtlingssituation - heuet brandaktuelles Thema - stehe in seinem Werk und Biographie eindeutig im Mittelpunkt. Mehr als 50 Jahre verbrachte der 1903 in Süchteln geborene Dichter teils im freiwilligen, teils im erzwungenen Exil in fünf Ländern Europas. „Vieles hat mich auch nachdenklich gemacht“, weiß Spies. Seine Flucht vor den Nazis (er wurde auch ausgebürgert), danach vor den spanischen Faschisten und seine weiteren Lebensstationen sind neben Originaldokumenten (Manuskripte, Bücher, Fotografien) auch Thema in der Ausstellung im Viersener Salon. Touch-screens liefern etwas für die Sinne - Tonaufnahmen, eingesprochen von Rolf Thelen, und Filmaufnahmen. „Da ist meine Lieblingsgeschichte eindeutig die, mit dem ’Wasserhund’“, sagt Pauly schmunzelnd. Besonders anschaulich ist eine Zeitleiste an der Wand.

International bekannt wurde Thelen durch sein Hauptwerk „Die Insel des zweiten Gesichts“, für den er 1954 mit dem Fontane-Preis in Berlin ausgezeichnet wurde. „Mit sprachschöpferischer Fabulierlust verarbeitet er in ihm die Jahre, die er auf Mallorca verbrachte“, erklärt Dr. Britta Spies. Er habe so viel geschrieben, rund 15 000 Briefe und Texte in kleinen Auflagen, aber auch viel wieder vernichtet.

Zwei die Albert Vigoleis Thelen besser kannten, sind Leo Fiethen und Herbert Pauen, die ihn oft, auch noch im Senorienheim in Dülken, besuchten. Leo Fiethen hat viele Ausstellungsexponate zur Verfügung gestellt, so auch alte Schreibmaschinen, einen Rindsschädel, der bei Thelen hing und einige andere Kuriositäten. „Er hatte eine Uhr ohne Ziffernblatt, aber mit Vogelkrallen als Zeiger, in seinem Arbeitszimmer saß er auf einem Zahnarztstuhl“, erinnert sich Pauen, dem Thelen auch eine Gedenktafel in Palma zu verdanken hat. Pauen bezeichnet den Schriftsteller als einen gern gesehenen Gast - wegen seines Humors und seiner Erzählkunst. „Und bei Besuchen wollte er immer nur Vierscher Platt sprechen“, schmunzelt Leo Fiethen, der sich auch noch an Thelens Fürsprecher erinnert. „Das waren Thomas Mann, Siegfried Lenz, Ingeborg Bachmann und auch Paul Celan.“

(StadtSpiegel)