| 16.14 Uhr

Der Fantasie freien Lauf lassen

Der Fantasie freien Lauf lassen
Erkennen Sie die Stadt dort unten? Über Köln thronen tolle Gebäude im Blumenkübel. FOTO: Borberg Art
Süchteln. Daniel Borberg lässt surreale Welten entstehen, in die der Betrachter eintauchen kann. Der in Süchteln lebende Fotokünstler lässt mit Hilfe des "Composings" seinen Ideen freien Lauf.

Der Himmel aus Holland, Steine aus Helgoland, die Vorhänge aus dem letzten Hotelurlaub, die Rosen von Schloss Dyck und die Bäume aus den Süchtelner Höhen - so könnte eine Materialsammlung für eine neue Kreation von Daniel Borberg aussehen. "Composing - das ist eben wie eine Collage, ein Kunstwerk aus verschiedenen Foto-Elementen zusammengesetzt", erklärt der 45-Jährige. Seit 1997 fotografiert er, auch Porträts, Tiere, Akt, schwarz-weiß, seit 2007 ist er vom Composing inspiriert und zaubert stimmungsvolle Kunstwerke. "Mir gefällt es am besten, eigene Welten zu schaffen, die gar nicht existieren", sagt Borberg. Seine Bilder sollen Geschichten erzählen, aber alles frei interpretierbar offen lassen. So entsteht seine "Stadt auf Säulen" in einem alten Blumenkübel, umringt von meterhohen Buxbäumen aus dem eigenen Garten.

Daniel Borbergs Werke scheinen zwischen Fantasy und Wirklichkeit zu schweben. Wie zum Beispiel die Irmgardiskapelle, die über dem Abgrund hängt oder das Werk "Auf'm Dach", das in die "Alice im Wunderland"-Welt versetzt. "Tim Burton gefällt mir eben. Aber ich finde auch, ich mache gar nicht so düstere Bilder", so Borberg, der sich auch von Magritte inspirieren lässt.
Der hauptberufliche Servicetechniker ist viel unterwegs, die Kamera oft dabei und bringt immer wieder neues Fotomaterial mit. Auf den Festplatten befinden sich viele tausende Fotos ("ich verwende nur eigene Fotos für meine Bilder"), nicht nur mit Motiven, auch mit Hintergründen, Strukturen, kleinen Elementen. Die könnte er auch mit Photoshop, das Programm mit dem er sein Kunstwerk in vielen hundert Bearbeitungsschritten quasi "kompiniert", hineinsetzen. "Ich fange mit einer leeren Fläche an. Und es ist viel Geduldsarbeit und Vorstellungskraft dabei, wie etwas später einmal aussehen könnte", weiß Borberg, der auch mal wieder etwas liegen lässt, um dann später wieder die Idee weiter zu entwickeln. "Es muss auch nicht alles technisch perfekt sein, Makel gehört mit dazu, es muss leben, sonst sagt es nichts aus." Aber vor allem sei seine Kunst Entspannung von der Arbeit, um einfach total abzuschalten. "Nur Musik muss dabei laufen", erklärt der dreifache Familienvater.


Unter Borberg Art versteckt sich jedoch nicht nur die künstlerische Arbeit von Daniel, sondern auch von seiner Frau Tamara. "Ich wollte auch etwas Kreatives machen, und da wir nicht beide am PC gleichzeitig sitzen können, fertige ich Porzellanbilder auf Fliesen an", sagt sie. Da entsteht eine Riesenkrake, ein Wal oder der Tiefseetaucher - das Badezimmer wird dank der Kreativität auf den Kacheln zu Galerie. Beide Künstler stehen auf Mittelalter und Fantasy. Dazu passt dann auch das Lieblingsbild von Tamara Borberg: "Mein kleiner Sohn als Pan mit Ziegenhufen." Und die sind übrigens im Streichelzoo eines Tierparks fotografiert worden.