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Dauerhaft von der Sucht loskommen

Dauerhaft von der Sucht loskommen
Die Kooperationsvereinbarung wurde jetzt von den Verantwortlichen unterzeichnet. FOTO: Balsen
Kreis Viersen. Eine Kooperationsgemeinschaft hilft Abhängigen in Viersen und Mönchengladbach. Von Claudia Ohmer

Katarina Esser, Sozialdezernentin des Kreises Viersen, spricht von einem „Gewinnermodell“: Eine Kooperationsgemeinschaft aus mehreren Trägern will suchtkranken Menschen im Kreis Viersen und in Mönchengladbach helfen, dauerhaft von ihrer Abhängigkeit loszukommen.

Dazu haben die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Kreis Viersen, die Drogenberatung Mönchengladbach, das Diakonische Werk Mönchengladbach sowie die LVR-Kliniken Mönchengladbach und Viersen eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Gemeinsam kümmern sie sich seit Anfang Januar um die ambulante medizinische Rehabilitation suchtkranker Menschen.

Im Kreis Viersen haben Suchtkranke bereits seit 2006 die Möglichkeit, an einer ambulanten Reha teilzunehmen. Hier lernen sie in Einzel- und Gruppentherapien, dauerhaft ohne Alkohol, Medikamente oder Drogen zu leben. Die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe führt die Maßnahmen nach den Vorgaben der Rentenversicherung Rheinland in Zusammenarbeit mit der LVR-Klinik Viersen durch. Derzeit gibt es drei Nachsorgegruppen im Anschluss an eine stationäre Entwöhnung sowie eine „Voll-Maßnahme“ mit zwölf Plätzen Jetzt wurde das Angebot auf die Stadt Mönchengladbach ausgedehnt. Teilnehmer von dort mussten bisher nach Viersen, Neuss oder Krefeld fahren.

„Eine ambulante medizinische Rehabilitation ist eine wichtige Möglichkeit, von der Sucht loszukommen“, weiß Reiner Lennertz, Leiter der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe. Die Rückfallquoten nach einer stationären Entwöhnung sind hoch: Mehr als zwei Drittel der Abhängigen werden im ersten Jahr rückfällig, nach zwei Jahren sind es sogar 90 Prozent. „Mit Hilfe der ambulanten Rehabilitation können wir die Rückfallquote auf unter 50 Prozent senken“, berichtet Dr. Ralph Marggraf, ärztlicher Direktor der LVR-Klinik Viersen. Damit ist die ambulante medizinische Rehabilitation ein wichtiger Baustein in der Gesamtversorgung suchtkranker Menschen. Sie werden nach einer stationären Entwöhnung – vier Monate bei Alkohol- und sechs Monate bei Drogensucht – bis zu ein Jahr lang in einem wöchentlichen Turnus psychologisch, sozialtherapeutisch und medizinisch betreut. Manche Suchtkranke nutzen die ambulante Therapie auch zweimal pro Woche anstelle eines stationären Aufenthalts.

„Im Kreis Viersen leben rund 5 000 alkoholabhängige Menschen zwischen 18 und 59 Jahren“, sagt Reiner Lennertz. Mehr als 5 300 Bürger dürften abhängig von Medikamenten sein, rund 1 000 von illegalen Drogen. Darunter seien Frauen und Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten, betont Lennertz. Eine ambulante Rehabilitation in der Nähe ihres Wohnortes ermögliche es den Betroffenen auch, berufstätig zu bleiben, ergänzt seine Stellvertreterin Monika Mai.

Dass die seit Jahren bestehende Kooperation zwischen der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe und der

LVR-Klinik Viersen nun erweitert worden ist, sei nicht nur gut für suchtkranke Menschen, freut sich Hans Josef Kampe, Vorsitzender der Suchtberatung. „Es ist auch ein hervorragendes Beispiel für eine sinnvolle Zusammenarbeit über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg“, erklärt er.

(StadtSpiegel)