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Bismarckturm soll erlebbar werden

Bismarckturm soll erlebbar werden
Der Bismarckturm auf dem Hohen Busch war früher Ausflugsziel. Das Denkmal zu Ehren Otto von Bismarck (Staatsmann und „großer Kanzler“) wurde vom Architekten Wilhelm Kreis entworfen. Der Bau kostete damals 36  401 Mark. FOTO: Claudia Ohmer
Viersen. Wissen Sie, was das für ein Turm ist? Nein? Dann ist Ihnen die neue Publikation des Vereins für Heimatpflege Viersen wärmstens zu empfehlen. Der Verein möchte den Bismarckturm auf dem Hohen Busch auch wieder als Aussichtsturm für Bürger öffnen. Von Claudia Ohmer

Jeden Tag schlendern viele Spaziergänger auf dem Hohen Busch an ihm vorbei, manchmal völlig unbeachtet. Weil viele nichts über den 18,2 Meter hohen Bismarckturm aus dem Jahr 1900 wissen. Das kann sich jetzt ändern, denn Gunnar Schirrmacher, früher Studiendirektor am städtischen Gymnasium Dülken, hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt. Nun ist die von ihm verfasste Publikation des Heimatvereins "Der Bismarckturm in Viersen - eine hochpolitische Angelegenheit" aktuell erschienen. 120 Seiten, in denen der Autor einen Blick auf die bewegte und auch kontroverse Geschichte des Turms wirft. "Es gab Auseinandersetzungen und einen Zeitungskrieg wegen des Baus des Turms. Der hat die Bevölkerung gespalten", berichtet Schirrmacher.

Der Verein für Heimatpflege Viersen freut sich über den 43. Band seiner Schriftenreihe, insbesondere, weil er sich seit langem dafür einsetzt, das Denkmal aus Grauwacke und Ziegelsteinen wieder für die Viersener Bürger in seiner Funktion als Aussichtsturm erlebbar zu machen. "Wir sind im Gespräch mit der Verwaltung, dort bringt man uns große Offenheit entgegen, den Turm wieder zu öffnen", erklärt Dr. Albert Pauly, Vorsitzender des Heimatvereins.

"Das Thema Bismarckturm beschäftigt uns schon etwas länger", sagt auch Anne Bieler, Vorsitzende des Kulturausschuss, die von der Idee der Wiederbelebung des Bauwerks begeistert ist. "Die Sicht wie damals ist durch die Vegetation heute nicht mehr gegeben. Wir denken da an Sichtachsen", so Bieler.

Auch müssten einige Schäden im Bismarckturm behoben werden, bevor man den Turm wieder zur Aussicht nutzt. "Oben fehlt die Brüstung, die Treppe muss instand gesetzt werden, und die Tür ist wegen Vandalismus verschweißt, aber das kann alles technisch gelöst werden", sagt Dr. Albert Pauly vom Heimatverein. Dieser würde sich auch um die Betreuung bei Besichtigungsterminen kümmern. "Das müssten wir stemmen können."
Dem Heimatverein Viersen sei immer daran gelegen, auch viele Anknüpfungspunkten mit Schulen zu finden, schließt Pauly an. Sebastian Trienekens, Geschichtslehrer am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium zeigt sich begeistert über das Buch. "Das ist eine Steilvorlage für den Geschichtsunterricht, so ein Kleinod auch direkt vor der Schultüre zu haben." Es zeige, dass Regionalgeschichte gar nicht langweilig sei und durch diese auch Weltgeschichte greifbar gemacht werden könne. "Ein Besuch vor Ort kann man im Lehrplan verankern", kann Trienekens sich vorstellen.


Vor Jahren hatte CDU-Ratsfrau Anne Bieler auch schon angeregt, dass sich Geschichtskurse mit dem Bismarckturm beschäftigen. So brachte 2005 unter der Leitung von Schirrmacher der Oberstufenkurs Geschichte ein Faltblatt zur Bismarcksäule heraus. "Da entstand auch die Idee zum Buch", weiß Schirrmacher, der viel Interessantes über den Bismarckturm herausgefunden hat. "In den 20er-Jahren war der Turm ein beliebtes Ausflugsziel. 1921 haben ihn mehr als 7 000 Menschen bestiegen".


Der Viersener Verschönerungsverein hat die Publikation gesponsert, so dass das Buch für zwölf Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich ist.

(StadtSpiegel)