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Aus Notsituation entstanden

Aus Notsituation entstanden
v.l.: Gert Pasen, Frank Brünker, Carina Wieland, Clara Steinbusch, Martina Maaßen, Jürgen Heimes. FOTO: Samuel
Viersen. Seit drei Jahrzehnten hat sich der Verein Menschen ohne Wohnung (MOWO) zum Ziel gesetzt, wohnungslose Menschen zu unterstützen und für sie Sprachrohr und Anwalt in der Gesellschaft zu sein – im Jubiläumsjahr gab es eine Neuorientierung und Veränderungen. Von Christiane Samuel

„Das vergangene Jahr hat einiges für MOWO verändert“, sagt Martina Maaßen, Vorsitzende des Vereins. Zum einen gibt es für MOWO einen neuen Vorstand mit Martina Maaßen, Gert Pasen und Jürgen Heimes, der neu gebildet wurde, weil der seit 23 Jahren als Vorsitzender tätige Pfarrer Alexander Schweikert Anfang 2017 zurücktrat. Zum anderen hat MOWO einen runden Geburtstag und kann auf 30 Jahre Wirken für Obdachlose zurückschauen.

Alles begann am Heiligabend 1984 aus einer Notsituation, als mehrere obdachlose Männer im Rohbau des Maximilian-Kolbe-Hauses ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten – über den damaligen Pfarrer Gregor Stepkes und Pax Christi wurde in der Winkelstraße eine Notschlafstelle eingerichtet, bis 1990 die heutige Einrichtung An der Josefskirche mit neun Plätzen und einer Außenstelle an der Berliner Höhe mit weiteren drei Plätzen entstand. Bis dahin gab es in Viersen keine ausreichenden Hilfen für Wohnungslose. Erst mit dem Engagement der Pfarre, Pax Christi und MOWO konnten mit Unterstützung von Politik und Verwaltung neben dem Oscar-Romero-Haus auch die Zentrale Fachstelle des SKM e.V. (Übernachtungsstelle der Stadt Viersen) und die Zentrale Fachstelle der Stadt Viersen (Beratungsstelle) eingerichtet werden. „In Hinblick auf die in ganz NRW seit 2011 um 60 Prozent angestiegene Zahl von Obdachlosen, der hohen Quote einer verdeckten und der vermehrten Frauen-Obdachlosigkeit sowie der immer jünger werdenden Klientel an Wohnungslosen werden die Einrichtungen umso bedeutsamer“, betont Martina Maaßen. Im Oscar-Romero-Haus können die betroffenen Männer unter Betreuung und mit Hilfe von Carina Wieland (Sozialpädagogin) und Clara Steinbusch (Bereichsleitung für ambulantes Wohnen) zunächst zur Ruhe kommen– es ist als Übergangslösung zur Stabilisierung gedacht: ein sicheres Dach über dem Kopf ergänzt mit sozialer Begleitung als Sprungbrett zum Leben in einer eigenen Wohnung. „Wir haben seit 1984 rund 450 Fälle hier im Haus „durchgeschleust“, erklärt Jürgen Heimes. Dass die Übergangslösung mittlerweile häufig länger gebraucht werde, als eigentlich angedacht, ist verschiedenen Gründen geschuldet. „Es gibt einfach nicht genug Mietangebote für diese Menschen, der Jobcenter refinanziert das nicht mehr ausreichend und häufig sind auch noch Mietschulden vorhanden“, sagt Martina Maaßen. Und sie fährt fort: „Hier sehen wir auch unsere Aufgabe als Verein – wir sind der Anwalt dieser Menschen, machen aufmerksam auf ihre Not und können Wohnungen anmieten und in Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Betreuten Wohnens an Obdachlose weitervermieten, die sonst auf dem örtlichen Wohnungsmarkt kaum Chancen haben!“ Dazu passt auch der neue Träger des Oscar-Romero-Hauses, der Rheinische Verein für katholische Arbeiterkolonien, der diese Aufgabe Ende 2015 übernommen hat und dessen Übernahme nun offiziell ist. Frank Brünker aus dem Vorstand erklärt: „MOWO ist Hauptmieter, im alltäglichen Handeln betreut der Rheinische Verein. Insgesamt ergibt sich so eine hervorragende Situation der Absicherung für die Vermieter und des begleiteten Loslösungsprozesses für die Betroffenen hin wieder zu einem eigenständigen Leben.“

(Report Anzeigenblatt)