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Archiv mit Ausrufezeichen

Archiv mit Ausrufezeichen
Der Sieger-Entwurf des Krefelder Büros DGM. So soll das neue Kreisarchiv am Ransberg einmal aussehen. FOTO: Heike Ahlen
Viersen. Der Architektenwettbewerb für den Neubau des Kreisarchivs ist abgeschlossen. Die Jury lobt die durchweg hohe Qualität der Entwürfe. Der Sieger-Entwurf stammt von dem Krefelder Büro DGM. Von Heike Ahlen

Die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb zum Neubau des Kreisarchivs hatte es in sich – gesucht wurde quasi eine "eierlegende Wollmilchsau". Ein funktionaler Bau, aber kein reiner Zweckbau, denn an dieser Stelle in Viersen – der Einfahrt zum Businesspark Ransberg – sei gute Architektur gefragt, die "ein Ausrufezeichen" setze, betonte der Kreis Viersener Landrat Dr. Andreas Coenen.

Gebaut werden solle nachhaltig und nach den Grundsätzen der zirkulären Wertschöpfung. Hinter diese Worten verbirgt sich die Forderung, dass das Gebäude von der Energiebilanz nicht nur autark sein, sondern möglichst mehr Energie produzieren als verbrauchen soll. Außerdem gilt es, Materialien einzusetzen, die biologisch abbaubar sind. Wenn das Gebäude irgendwann einmal nicht mehr genutzt wird, soll es keine Umweltschäden hinterlassen.

Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller zeigte sich begeistert vom Tag der Entscheidung. "Ich habe noch nie einen so konstruktiven Tag erlebt", sagte sie. Und machte gleichzeitig deutlich, dass das Gebäude nicht nur für die Stadt Viersen, sondern für den gesamten Kreis etwas Besonderes sei. "Archive werden nicht jeden Tag an jeder Ecke neu gebaut, ein solcher Bau ist die absolute Ausnahme."

Das Gebäude muss zwei völlig gegensätzliche Bedürfnisse miteinander vereinen. Zum einen geht es um den Schutz des Archivmaterials – es darf kein Tageslicht herankommen, die Temperatur muss konstant sein, die Luftfeuchtigkeit darf nur in einem sehr engen Bereich schwanken, damit nichts schimmelt oder auf andere Art zerstört wird. Gleichzeitig soll das Gebäude aber auch offen sein für Besucher aller Art – und das soll sich bereits in der Architektur zeigen.


Bernd Volkennant vom Krefelder Büro DGM hat das Gebäude entworfen, das von der Jury zum Sieger-Entwurf gekürt wurde. Die Idee dahinter ist trotz der Moderne historisch. Denn viele Gutshöfe am Niederrhein verfügten schon vor Jahrhunderten über einen Schutzbau, in den in Krisenzeiten Wertgegenstände gebracht wurden – der Berfes. Die turmartigen Gebäude waren oft fensterlos und immer aus Feldbrandsteinen gebaut. Diese Optik will Volkennant übernehmen. Seine Idee geht sogar noch ein Stück weiter: Die Steine – etwa 60 000 – sollen von den Bürgern kommen, die sie vom eigenen Hausbau noch haben. So könne eine große Identifikation der Menschen mit "ihrem" Kreisarchiv entstehen.


Ringsherum soll das genaue Gegenbild entstehen: Ein transparenter, luftiger Ring, der sich zu allen Seiten öffnet, mit Gründach und Energiegewinnung.
Der Kreistag hat die prämierten Entwürfe – neben dem ersten gab es zwei dritte Preise und eine Anerkennung – bereits gesehen. Abstimmen müssen die Politiker darüber nicht, die Entscheidung hat die Jury getroffen. Mit den drei Erstplatzierten wird es nun Verhandlungen geben, was genau gebaut wird.


Die Zeit drängt: Bis Ende 2020 muss der Bau nicht nur stehen, sondern auch abgerechnet sein. Denn nur dann gibt es Landes-Fördermittel in Höhe von etwa fünf Millionen Euro. Die sind fest einkalkuliert. Insgesamt soll der Bau ohne Grundstück mit etwa neun Millionen Euro zu Buche schlagen. Und obwohl der Zeitplan so eng war, sind sich bereits jetzt die Beteiligten bei Kreis und Jury einig: Es war gut, den Architektenwettbewerb durchzuführen. Um am Ende wirklich den Bau da stehen zu haben, der das gestalterische Ausrufezeichen setzt und mit dem sich die Bürger des Kreises identifizieren.

(StadtSpiegel)