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Amerikanische Weihnachten

Lexington/ USA. Der Extra Tipp begleitet Lukas Hensen aus Amern bei seinem parlamentarischen Austauschprogramm in North Carolina. Der Anfang 20-Jährige berichtet zum zweiten Mal aus den USA. Von der Redaktion

Seit dem letzten Bericht aus North Carolina sind fast drei Monate vergangen. In dieser Zeit ist einiges passiert. Das wohl Überraschendste für die meisten war die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Er gewann die Wahl im Davidson County, dem County, in dem ich lebe, deutlich mit 73 Prozent der Stimmen.

Ein anderes wichtiges Ereignis für viele Amerikaner war Halloween. Verkleidet ziehen die Kinder mit ihren Eltern durch die Nachbarschaft, klopfen an die geschmückten Häuser und rufen ,,Trick or Treat’’ oder ,,Happy Halloween’’. Im Gegenzug erhalten Sie reichlich Süßigkeiten. Zunächst verteilten wir Süßes an die Kinder, am späten Abend gingen wir als College-Studenten auf die Straße, klopften an die Haustüren und erbeuteten Süßigkeiten.

Außerdem hatte ich im November die Gelegenheit, eine andere wichtige amerikanische Tradition zu erleben: College-Football und Tailgaiting. Traditionell trifft man sich mit seinen Freunden oder seiner Familie vor dem Spiel auf dem Parkplatz zum Grillen und Bier trinken. In der Halbzeit gibt es eine große Show der Cheerleader und der College Marching Band.

Dann stand die Weihnachtszeit an. Es gibt hier in der typisch amerikanischen Kleinstadt keine Weihnachtsmärkte oder ähnliches, die einen in Weihnachtsstimmung bringen – außer einer Weihnachtsparade, in der geschmückte Wagen, ein Santa Claus und viele Marchingbands der lokalen High Schools durch den Ort ziehen, Musik spielen und Süßigkeiten verteilen. Die Supermarktkette Aldi, die auch hier vertreten ist, und meine Eltern sorgten aber für eine gute Versorgung mit Lebkuchen, Spekulatius und deutschem Glühwein.

Außerdem fand ich bei meinem Kurztrip nach Dallas, Texas, einen mehr oder weniger authentischen deutschen Weihnachtsmarkt, so dass doch eine gewisse Weihnachtsstimmung aufkam.

In der Vorweihnachtszeit besuchte ich Charleston, eine der ältesten Städte und früher Hauptankunftshafen für Sklaven an der Ostküste, außerdem in Florida die Universal Studios und das „Festival of Lights“. Dieses fand in einem großen Park statt, Bäume wurden mit Lichterketten dekoriert. Verschiedene Bibelszenen wurden mit Lichterketten nachgestellt. Man fährt mit einem Auto durch diesen Park und kann zwischendurch anhalten, um Hot Chocolate oder Cookies zu kaufen.

Amerikaner feiern Weihnachten traditionell am 25. Dezember. Am Heiligabend geht man in die Kirche, die Kinder dürfen um Mitternacht genau ein Geschenk aufmachen, bevor sie ins Bett gehen. Ich hatte leider das Pech, am Heiligabend arbeiten zu müssen. Nach der Arbeit traf ich mich mit der Familie meiner College-Coordinatorin und ging mit ihnen zur Kirche. Wir gingen in eine protestantische moravian church, welche ursprünglich von Deutschen gegründet wurde. Während der Messe bekam jeder Teilnehmer traditionelles Moravian Bread und Moravian Coffee.

Am ersten Weihnachtsfeiertag war ich bei meiner Friendship-Family eingeladen. Wir trafen die gesamte Familie bei der Familien-Oma zu Hause. Es gab traditionelles Weihnachtsessen in Form von Turkey, Pulled Pork Barbecue, Macceroni and Cheese und Corn Casserolle. Nach dem Essen versammelt sich die Familie im Wohnzimmer um den Weihnachtsbaum zum Geschenke auspacken. Nun wird vom Jüngsten bis zum Ältesten immer jeweils ein Geschenk geöffnet, solange bis alle geöffnet sind.

Anschließend gab es die amerikanische Version vom Weihnachts- oder Sonntagsspaziergang. Da es in meiner Gegend so gut wie keine Fahrradwege oder Bürgersteige gibt, fahren die Menschen einfach für eine halbe Stunde durch die Landschaft.

(Report Anzeigenblatt)