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„Realschule darf nicht schließen“

„Realschule darf nicht schließen“
Werden Realschüler noch lange den Weg durch diese Türen zu ihren Schulklassen finden? FOTO: Björn Rudakowski
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie plötzlich aus der Zeitung erführen, dass die Schule, die ihre Kinder besuchen, geschlossen werden soll? So erging es Anja Jann, Schulpflegschaftsvorsitzende an der Realschule an der Josefskirche. Von der Redaktion

Viersen (ruda/ red)

. Schuldezernent Dr. Paul Schrömbges hat dem Schulausschuss der Stadt Viersen (Sitzung am Donnerstag, 7. September) die Empfehlung unterbreitet, an der Realschule an der Josefskirche keine neuen Schüler mehr aufzunehmen und diese auslaufen zu lassen. Die dadurch entstehenden Freiräume sollen sukzessive der Primusschule zur Verfügung gestellt werden. Hintergrund sind sich ändernde Schülerzahlen sowie der Platzbedarf der Primusschule.

Die Realschule an der Josefskirche gibt es bereits seit 51 Jahren. Zurzeit besuchen 449 Schüler die Schule, inklusive 34 Integrations- und 18 Inklusionsschülern.

Im Internet und den sozialen Netzwerken rief nach Erscheinen des Artikels die ehemalige Schülerin Alexandra Dahmen zur Online-Petition auf: „Die Realschule an der Josefskirche darf nicht schließen“. Bereits am Montag waren über 900 Unterstützer bereit, dem Aufruf zu folgen. Aber Jann will mindestens 1 000 Viersener schnellstens davon überzeugen, sich der Petition anzuschließen. „Diese Schule ist es wert, die Schüler sind es wert“, sagt auch Schulpflegschaftsvorsitzende Anja Jann. Die 49-Jährige bleibt bei allen Emotionen sachlich, und ihre Worte sind wohl bedacht. Sie will niemandem den „schwarzen Peter“ unterschieben.

„Die Überlegungen der Stadt haben alle Beteiligten erst der Presse entnommen“, stellt sie ernüchtert fest und ergänzt, dass sie als Schulpflegschaftsvorsitzende erst danach eine offizielle Einladung zur Schulausschusssitzung erhalten habe.

Schuldezernent Dr. Paul Schrömbges betont, dass derzeit noch nichts beschlossen sei, jedoch seiner Empfehlung bisher nicht widersprochen wurde und die Entscheidungsträger den weiteren Ausbau der Primusschule befürworteten. Die Schulaufsichtsbehörde habe bisher dagegen noch keine Empfehlung abgegeben.

Ob es ernsthafte Überlegungen von Seiten der Politik gibt, den Ausbau der Primusschule so zu vollziehen, ohne eine Schule in Viersen dafür schließen oder auslaufen zu müssen, wird man vielleicht morgen in der öffentlichen Schulausschusssitzung erfahren. Derzeit scheint die Politik jedoch Lösungen zu favorisieren, bei der mindestens eine Schule geschlossen wird, um durch eine andere ersetzt zu werden.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir den größtmöglichen Konsens finden werden. Allen Verantwortlichen sind die Empfehlungen der Stadtverwaltung bekannt. Ein früher Einstieg der Beteiligten in die Überlegungen, ist immer hilfreich“, sagt Schrömbges. Sollte beschlossen werden, dass eine Schule keinen dauerhaften Bestand mehr habe, bedeute das nicht, dass diese „von heute auf morgen“ verschwinde. Es liege nun in der Hand des Schulausschusses, die Richtung vorzugeben.

Wird Viersen eine Lösung finden, mit der auch Anja Jann leben kann? „Die Realschule an der Josefskirche stellt sich den Herausforderungen dieser Zeit.“ Davon ist sie mehr als überzeugt. Und in jedem Fall sitzt sie morgen als Zuhörerin bei der Schulausschusssitzung.

(StadtSpiegel)