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„Das soll uns erstmal einer nachmachen“

„Das soll uns erstmal einer nachmachen“
Am Freitag wurden auch WC- und Duschcontainer auf dem Gelände aufgebaut. Daran beteiligt waren sowohl das Deutsche Rote Kreuz als auch das Technische Hilfswerk. FOTO: Grasemann
Viersen. Zweimal zwölf Stunden Zeit hatte die Stadt Viersen, um sich auf die Ankunft von 150 Flüchtlingen vorzubereiten. Dass am Freitag „nur“ 101 Menschen aus den beiden Bussen stiegen - geschenkt. Von Daniel Uebber

Bürgermeister Günter Thönnessen erreichte die Nachricht seines Ersten Beigeordneten Dr. Paul Schrömbges über die bevorstehende Ankunft der Flüchtlinge im Urlaub.

Viersens Stadtoberhaupt war in der Eifel seinem Hobby der Bildhauerei nachgegangen, als er die Email las: „Das man uns als Stadt so kurzfristig informiert, das halte ich für skandalös“, so Thönnessen, der sich gleich ins Auto setzte, um sich am Wochenende ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Und was er an der Sporthalle am Ransberg in Dülken sah, beeindruckte ihn: „Ich bin baff und erstaunt, was die Menschen in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. Einen großen Dank an Herrn Schrömbges, Herrn Kersbaum von der Feuerwehr, an die Jungs vom THW und dem DRK, die Dolmetscher der Freiwilligen-Zentrale sowie an das Allgemeine Krankenhaus in Viersen. Sie haben das menschenmögliche geleistet.“

Erster Beigeordneter Dr. Paul Schrömbges war sichtlich stolz auf das Geleistete: „Am Freitag ging es um 6.30 Uhr mit den Maßnahmen los. Und am Freitagabend waren wir um 19 Uhr mit allem fertig. Als um 22 Uhr die Menschen ihr Abendessen bekommen haben, kehrte Ruhe ein in die Halle. So eine Leistung soll uns erst einmal jemand nachmachen.“

Jetzt laufe die Notunterkunft für die Flüchtlinge im „Normalbetrieb“, sagte Wehrführer Frank Kersbaum, der sich um viele logistische Dinge kümmern musste: „Die Abwasseranlage der Halle ist nicht für eine derartige Nutzung ausgelegt. Und auch die Stromversorgung mussten wir sicher stellen. Ebenso haben wir kurzerhand einen Wickelraum für die Säuglinge eingerichtet.“ Alle diese Probleme seien gelöst. Sogar Trennwände für die 23 Familienverbünde unter den Flüchtlingen konnten organisiert werden.

Ein Baby musste

ins Krankenhaus

Als die Flüchtlinge am Freitagabend in Viersen ankamen, stand für diese erst einmal eine gesundheitliche Untersuchung auf dem Programm. Eine Mutter musste ihr Baby ins Krankenhaus begleiten, da es hohes Fieber hatte. Ansonsten gehe es den Flüchtlingen den Umständen entsprechend gut, so Schrömbges.

Unter ihnen gebe es sowohl sehr arme Menschen, die nur „das bei sich haben, was sie am Leib tragen“, als auch gut ausgebildete Studenten mit höherem Lebensstandard, die aber aufgrund der Konflikte in Syrien oder dem Iran ihr Land verlassen mussten.

Bürgerhilfe wird gern

in Anspruch genommen

Trotz der guten Erstversorgung in der Turnhalle müsse aber an der ein oder anderen Stelle noch „feinjustiert“ werden: „Wir könnten noch Bettwäsche und Laken gebrauchen. Auch Spielzeug für die Kinder ist gern gesehen“, sagt Frank Kersbaum. Einige Viersener waren sogar am Freitagabend schon mit ersten selbst gepackten Hilfspaketen vor Ort. „Die Stimmung am Ransberg war sehr entspannt. Viele Menschen haben sich die Ankunft der Flüchtlinge angeschaut. Und als man mit den Beobachtern ins Gespräch kam, merkte man echtes Interesse für die Situation der Flüchtlinge“, berichtet Schrömbges.

Menschen, die helfen möchten, können sich an den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) wenden, der derzeit die Koordination des „Runden Tischs Asyl“ inne hat. Diese ist unter Telefon 02162/ 29288 oder per Email unter info @skm-kempen-viersen.de erreichbar.

(Report Anzeigenblatt)
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