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50 Jahre - mal neckisch, mal fröhlich

50 Jahre - mal neckisch, mal fröhlich
Die Familie Schautermann in der Gründungszeit. FOTO: Band
Dülken. Dixieland, Blues und Swing haben sich die „Schautermänner“ auf die Fahne geschrieben. Am Donnerstag, 18. August, feiert die Jazzband ihr Jubiläum im Dülkener Kolpinghaus. Von Claudia Ohmer

Ein stolzes halbes Jahrhundert wird die „Schautermann-Tillies-Jazzband“ in diesem Jahr alt. Alles begann im Jahr 1966 - Gründungsmitglied Winfried Faust erinnert sich. „Manni Gerke und ich spielten in der Fool-Town-Jazzband, die sich dann auflöste. Dann gesellten sich noch Puhl Ophei und weitere Musiker hinzu.“

Zunächst hieß die neu gegründete Band Mannis Mittwochsband, 1971 änderten die Jazzmusiker ihren Namen in Schautermann-Tillies-Jazzband. „Shout’ em aunt Tillie“, ein klassisches Jazzstück von Duke Ellington, dass die Dülkener Jazzer gerne und oft spielen, stand Pate. „Wenn man den Titel schnell und nachlässig ausspricht, kommt sowas wie Schautermann Tillie heraus“, erklärt Bandvater und Jazzer Winfried Faust. Außerdem verstehe man unter Schauter hier am Niederrhein so etwas wie Spaßvogel und Quatschmacher, das passe auch zur Band und der Musik, die teils neckisch, fröhlich und unbeschwert sei.

Gespielt wurde am Niederrhein in Krefeld, Mönchengladbach, Düsseldorf und auch auf holländischer Seite, man besuchte Jazzfestivals und auch TV-Auftritte gab es. „Als Engel verkleidet haben wir auch Weihnachtsjazz gespielt, sogar CDs herausgebracht“, sagt Faust lächelnd. Die Schautermänner musizierten im Karneval im Bürgerhaus oder auch im Lokal Rehmsmeier, feierte auf Karnevalswagen oder auch als Fußgruppe mit.

„Wir waren wie eine eine große Familie unsere Frauen und später auch Kinder haben uns oft begleitet, auch auf Bandtouren und Ausflügen“, sagt Faust, der auch heute noch für den Zusammenhalt und die Organisation sorgt. „Früher habe ich ein straffes Regiment geführt“, schmunzelt der 72-Jährige, „wenn jemand nicht zur Probe kam, bekam er den Marsch geblasen.“ Doch sonst sei er sehr ausgeglichen - früher als Versicherungskaufmann kam er nach Hause und hat erstmal zur Klarinette gegriffen, um sich zu entspannen. Und auch heute noch spielt er fast täglich und schreibt auch noch die Arrangements für die Schautermänner selbst. Mit 14 Jahren habe seine „Musik-Karriere“ begonnen - da gab es den ersten Auftritt in der „Zwiebel“, damals ein Jazz-Keller in Dülken. Mit den Schautermännern standen früher oft jede Woche Auftritte an. Und mit anderen Bands machte Winfried Faust viele Konzert-Reisen - in Europa, aber auch in Amerika, Südamerika, Indien. „Man kann sagen, dass ich spielenderweise durch die Welt gereist bin“, berichtet der 72-Jährige. Die Szene sei wie eine kleine Jazz-Mafia, sehr familiär, man kennt sich eben. Deswegen sei es auch schade, dass die Jazzmusik wegstirbt. „Das Publikum ist ja meist in unserem Alter. Die Jugend findet die Musik zwar schön, aber es gibt keine Nachwuchsband, keine Angebote in diesem Bereich“, bemängelt der Klarinettist. „Ich hoffe irgendwann auf eine Renaissance der Jazzmusik.“ Doch in diesem Jahr wird erstmal gefeiert - ein außergewöhnliches Jubiläum.

(StadtSpiegel)
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