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Überschuldet trotz Arbeit?

Überschuldet trotz Arbeit?
Am 18. Juni informieren die Schuldner- und Insolvenzberater des Caritasverbandes über Hilfsmöglichkeiten bei Überschuldung (v.r.): Elisabeth Steigels, Sabine Broekmans, Gundi Bachem und Franz-Peter Steeger. FOTO: Caritas
Kreis Viersen. Sie kennen das Gefühl, wie es ist, wenn man trotz eines Vollzeit-Jobs mit seinem Geld nicht über die Runden kommt? Wer trotz Arbeit überschuldet ist, erhält nun Hilfe von den Beratern der Caritas. Von der Redaktion

Schuldnerberater Franz-Peter Steeger kennt das Problem. „Viele unserer Klienten sind überschuldet, obwohl sie eine feste Arbeitsstelle haben“, sagt er. Niedrigeinkünfte durch Teilzeitbeschäftigungen, Leiharbeit oder Mini-Jobs reichten oft kaum aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. „Wenn dann noch die Waschmaschine kaputt geht, muss die Reparatur als Darlehen finanziert werden – die Rückzahlung sprengt oft das ohnehin knappe Budget“, so Steeger.

Diese sogenannte „Einkommensarmut“ sei nach der Arbeitslosigkeit inzwischen eine zweite wichtige Ursache für Überschuldung. Mehr als jeder zehnte Bürger im Kreis Viersen sei überschuldet oder weise massive Zahlungsstörungen auf, betont Steeger. „Oft kennen die Betroffenen die vorhandenen Hilfsangebote gar nicht“, weiß Franz-Peter Steeger. Wenn die Schulden so hoch sind, dass gar nichts mehr geht, könne das private Insolvenzverfahren ein Ausweg sein. Viele Klienten der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen hätten inzwischen ihr Insolvenzverfahren erfolgreich bewältigt und seien danach von ihrer Restschuld befreit worden. Steeger: „Sie konnten dann wieder bei null anfangen und über ihr gesamtes Nettoeinkommen verfügen.“ Es gebe jedoch noch andere Hilfsangebote und Möglichkeit der Entschuldung bei einem Leben an Existenzminimum und Pfändungsfreigrenze, so der Berater. Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen ist zuständig für Viersen, Schwalmtal, Brüggen und Niederkrüchten. Sie unterhält drei Beratungsstellen in Viersen, Dülken und Waldniel. Im vergangenen Jahr betreuten die vier Beraterinnen und Berater insgesamt 1.633 Klienten – deutlich mehr als noch 2013, als es 1.428 Klienten waren. Die Mitarbeiter des Caritasverbandes stehen den Ratsuchenden nicht nur bei der Entschuldung zur Seite. „Die meisten Klienten haben darüber hinaus weitere soziale Probleme, wie Scheidung, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit oder Sucht, die sie belasten und in Angriff genommen werden müssen“, sagt Franz-Peter Steeger.

Die offene, kostenfreie Informationsveranstaltung am kommenden Donnerstag wendet sich an Betroffene, Helfer und interessierte Bürger. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

(StadtSpiegel)