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Zum Denkmalstreit in Lüttelforst
Offener Brief vom Förderverein

Wir berichteten in unserer Ausgabe vom 20. Mai in dem Artikel "Streit um Denkmalschutz" über den Bau einer Mauer in Lüttelforst. "Da die Unruhe im Ort seit die Errichtung der "Mauer" am Herbertzhof und dem Bericht nicht abklingt, sondern immer mehr Reaktionen und Erwartungen an den Förderverein herangetragen werden, sehen wir uns gezwungen, mit einem offenen Brief zu reagieren", so Ria van de Flierdt-Bonsels für den Vorstand des Förderverein Kultur und Tradition Lüttelforst.

Hier nun der Brief:

                                                                      
                                                                      Schwalmtal, 08.06.2015
Sehr geehrter Herr Pesch,
sehr geehrte Frau Kollosche- Baumann,
Sehr geehrter Herr Böker,

noch immer werden zur Sanierungsmaßnahme ("Mauerbau) am Herbertzhof
empörte Nachfragen an unseren Förderverein herangetragen. Unsere Satzung verpflichtet uns, Kritik und Anliegen der Ortsbewohner/innen zur Landschafts- und Kulturpflege in Lüttelforst aufzunehmen und zu klären.
Der bisherige Sanierungsversuch und dessen Rechtfertigung durch die Beteiligten (GEMEINDE, KREIS, DENKMALAMT, ARCHITEKT) als "alternativlos " erscheint einigermaßen vorschnell und bei einem angeblichen Beginn der Überlegungen  schon vor zwei Jahren kaum zu verstehen.
Es stellen sich grundsätzliche Fragen, die wir in dieser Form an Sie weitergeben möchten:

1. Wer erklärt definitiv, dass die kniehohe Mauerwerksdurchfeuchtung und der Steinzerfall lediglich dem 1 - 2 maligen Unwetterwasser im Jahr zuzuschreiben sind? Ist nicht vielmehr die Grundfeuchte des anstehenden Bodens sowie die Salzbelastung durch die Jahrhunderte lange landwirt-schaftliche Nutzung eine Ursache?

2. Die Höhe von ca. 50 cm als Prallwand scheint vollkommen überzogen. Sind nicht Bordstein und ausreichend große Einläufe in einer Rinne vor dem Gebäude völlig hinreichend, zumal auch eine mit Gittern überdeckte Querrinne im von oben einmündenden Feldweg möglich wäre?

3. Wie soll der Nachbar, Hausnr. 103, dessen EG-Fußboden unter Straßen- niveau liegt, mit der Ableitung des Wassers auf sein Gebäude hin, umgehen? Soll er etwa auch eine 1,50 m vom Haus abstehende Betonwand errichten und damit das Problem wiederum auf seinen nächsten Nachbarn abwälzen?

4. Wie könnte man sich Lösungen für andere historisch wertvolle Gebäude im Verlauf der Dorfstraße vorstellen, die mit vergleichbaren Wasserproblemen zu kämpfen haben: Hausnr. 69, 99, 103, 115, 135, 139, 171, 311 usw. Sollen allerorten Betonwinkelsteinwände auf Kreisstrassengelände entstehen?

5. Wieso konnte bei der Restaurierung des "Boneshofes" Hausnr. 329, (Fertigstellung 2003) mit weitgehend gleichen Feuchtigkeitsproblemen ( Wohnhaus längs der Straße, gegenüberliegender Waldhang, Sockeldurch-feuchtung kniehoch) offensichtlich erfolgreich auf eine ähnlich verunstaltende Lösung verzichtet werden?

6. Nicht zuletzt stellt sich dem Laien die Frage, ob die bizarre Lösung am Herbertzhof auf dem Gutachten eines Sachverständigen beruht.

7. Wird die offensichtliche Gefahrenstelle dauerhaft durch die aufgstellten Warn-barken gesichert und damit das optische Essemble Herbertzhof – St. Jakobus Kirche dauerhaft gestört werden?

8. Ist der genehmigungsfreie Verkauf eines Straßenstreifens durch das Kreisamt für Technischen Umweltschutz und Kreisstraßen, Viersen künftig auf  Verhandlungsbasis möglich oder gibt es einschränkende juristische Voraus-setzungen?


Wir bitten Sie, den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zu geben, das  Unverständliche zu begreifen und schlagen vor, dass ein möglicherweise bestehendes Gutachten vorgestellt und erläutert wird oder die beteiligten Verantwortlichen sich den Fragen der Dorfbewohner/innen stellen.

Ria van de Flierdt-Bonsels
für den Vorstand des Förderverein Kultur und Tradition Lüttelforst