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Kränzchen in der guten Stube

Kränzchen in der guten Stube
Männerkränzchen in der Heimatstube (v.l.): Klaus Müller (Betreuer der Heimatstube), Peter Oellers (2. Vorsitzender Heimatverein), Josef Peters und Eberhard Zechlin (erster Vorsitzender).
Waldniel. Zwischen Henkelmann, Koppesdöppen, Milchkanne, Nachttopf und Jötschklomp bekommt der Besucher der Waldnieler Heimatstube einen Einblick in den Alltag der Jahrhundertwende geliefert. Die Anekdötchen von Klaus Müller sind inklusive. Von Claudia Ohmer

In der Niederstraße 52 in Waldniel, dort wo früher die "Alte Kaplanei" war, fühlt sich der Besucher in die Vergangenheit versetzt. "Wir legen Wert darauf, dass alles authentisch ist, wie die Leute wirklich früher gelebt haben", so Klaus Müller, der die Heimatstube zurzeit betreut.

Die Heimatstube beherbergt über 1.000 Einrichtungsgegenstände, Arbeitsgeräte, Bilder und Möbel aus dem Leben unserer Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert. "Zu 80 bis 90 Prozent sind die Gegenstände von meinem Vater Gerhard Peters gesammelt und zusammen getragen worden", sagt Josef Peters vom Heimatverein Waldniel. "Der ging zu Geburtstagen und Hochzeiten, wo er auch nicht eingeladen war und hat so manches bekommen, was andere nicht bekommen hätten", erinnert sich Peters.

Nun mal hinein in die gute Stube, die früher nur an Sonn- und Feiertagen für die Familie geöffnet wurde. Wie in einem kleinen Heimatmuseum entdeckt man in Oma's Küche einen alten Herd, Anrichte und viele Küchenutensilien, die Nostalgie versprühen. Klaus Müller hält ein "Zimmt"-Dose hoch: "Das wurde vor 1920 noch mit zwei 'm' geschrieben", erklärt er und hält in der Waschküche gleich die nächste Erklärung zum Thema "einen Zacken zulegen" parat. Auch die Jötschklomp, der Dreschflegel und der Henkelmann (auch Knibbel genannt) nimmt er sprachlich unter die Lupe.
Im Roßbach-Zimmer hängen die letzten Adligen von Haus Clee als Gemälde an der Wand. "Et Stövke" beherbergt eine authentische Einrichtung aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert.

In der Schlafkammer erklärt Klaus Müller die Wärmeflasche von anno dazumal: "Die haben eine Tonflasche mit Sand gefüllt und in den Backofen gelegt." Einen "Pischpott" sieht der Besucher auch unterm Bett stehen. Viel Geschichte hält Klaus Müller hier wie auch in der Kaffeestube parat.

Highlight der Heimatstube ist quasi die Webstube, die vielen Familien früher zum Broterwerb diente. Ein Muss: der Vogelkäfig an der Wand. "Wenn der Vogel von der Stange fiel, war die Luft zu schlecht in der Stube", erklärt Josef Peters, der auch heute noch auf dem restaurierten Webstuhl (um 1900) webt.

"Das ist schon ein richtiges Kleinod hier, das die meisten nicht kennen", weiß Klaus Müller, der auch Führungen mit Schulklassen anbietet. "Der Geschmack muss weg, dass der Heimatverein nur ein Verein für alte Leute ist."

(StadtSpiegel)