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Erst reifen – dann pflücken

Erst reifen – dann pflücken
Paul Derix (links), Gründer der Obstwiesenfreunde, leitet die Mitglieder der Biotop-AG der Janusz-Korczak-Realschule an, die jungen Baumstämme mit einer Kalkfarbe zu streichen. FOTO: Heike Ahlen
Waldniel. Die Schwalmtaler Obstwiesenfreunde machen sich viel Arbeit mit der Pflege der Bäume für die Allgemeinheit. Allerdings trüben sowohl Vandalen als auch gedankenlose Menschen ihre Freude. Von Heike Ahlen

Ihr Engagement ist ungebrochen. Die Obstwiesenfreunde sind seit 2009 unterwegs. Sie betreuen Obstwiesen, die auf Gemeinde-Flächen angelegt sind. Bäume pflanzen, schneiden, pflegen – all diese Aufgaben übernehmen sie gerne. Oft auch gemeinsam mit Acht- bis Zehntklässlern aus der Biotop-AG der Janusz-Korczak-Realschule oder mit Waldnieler Grundschülern.

Aber im Augenblick gibt es auch einige Enttäuschungen, die die Ehrenamtler verkraften müssen. Probleme mit Vandalismus hatte es in den ersten Jahren so gut wie nicht gegeben. Aber bei der Obstwiese am Burghof, wo 110 Bäume stehen, ist das ein Thema. "Bei der ersten Wiese in Stöcken haben wir seit 2009 nur einen einzigen Pfahl austauschen müssen", erzählt Paul Derix, der im Jahr 2008 die Idee hatte, die Obstwiesenfreunde zu gründen. "Am Burghof waren es allein in diesem Jahr etwa 20." Irgendwer finde es witzig, die Pfähle einfach umzutreten. Auch bei den Bändern, mit denen die Bäume an den Querstreben zwischen den Pfählen befestigt werden, mussten die Obstwiesenfreunde umdenken. "Zuerst haben wir das mit Kokosbändern gemacht", erzählt Derix. Das sei der optimale Stoff dafür, denn er gebe nach, wenn der Stammumfang größer werde. Aber hier häuften sich die Fälle, dass die Bänder einfach durchgeschnitten wurden. Jetzt arbeiten die Experten mit einem Maetrial, das sich nur sehr schwer zerschneiden lässt. Allerdings hat das handfeste Nachteile. Die Bänder müssen immer wieder gelöst und neu befestigt werden, weil sie sich dem Wachstum der Bäume nicht anpassen.

Während die Realschüler an den Bäumen arbeiten, kommt immer wieder der Ruf: "Achtung, Tretmine." Die Anwohner nutzten die Obstwiese als Gassi-Paradies für ihre Hunde. Dagegen hätte niemand etwas – wenn sie die Hinterlassenschaften denn mitnehmen würden.

Apropos mitnehmen: Natürlich ist das Obst für alle Schwalmtaler Bürger da. Jeder darf dort für seinen eigenen Bedarf ernten. Die Frage ist allerdings – wann? Der Sommer 2017 verspricht keine reiche Ernte, überall klagen die Obstanbauer, dass wenig Früchte auf den Bäumen seien, vieles am Baum noch faule. Als Reaktion darauf hat Derix beobachtet, dass die Menschen in eine Art Wettstreit verfallen sind – lieber jetzt schon pflücken, bevor es ein anderer tut.
Als Folge sind Bäume, deren Früchte erst Mitte Oktober reif sind, bereits seit Mitte September leergepflückt.


Der Tipp des Experten: Obst, das reif ist, lässt sich leicht vom Baum lösen. "Wenn man einen Apfel ein bisschen dreht, dann muss er leicht zu pflücken sein. Wenn man daran reißen muss, ist er noch nicht reif."


Für die Obstwiese am Burghof gibt es auf der Homepage der Gemeinde – schwalmtal.de, Leben in Schwalmtal, Obstwiesen – einen Lageplan, auf dem zu jedem Baum beschrieben ist, um welche Sorte es sich handelt und wann das Obst reif ist.

(StadtSpiegel)