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Eine Ehre, eine Mahnung

Eine Ehre, eine Mahnung
Bürgermeister Kalle Wassong legte einen Kranz nieder. FOTO: Heike Ahlen
Elmpt. Im Lüsekamp haben Niederländer und Deutsche der 14 Männer, die im Dezember 1944 hier von der deutschen Wehrmacht erschossen wurden, und der 3.000, die zum Arbeitsdienst gezwungen wurden, gedacht. Von Heike Ahlen

„Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“ steht auf dem Gedenkstein im Lüsekamp. Jedes Jahr am 30. Dezember versammeln sich dort die Menschen, um an 14 Männer zu denken, die in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 1944 hier von deutschen Soldaten erschossen wurden. Sie hatten gehört, dass die Männer aus Roermond kurz darauf zum Arbeitsdienst gezwungen und nach Deutschland gebracht werden sollten. Sie versteckten sich und wurden entdeckt. 14 Männer, die jüngsten gerade 16 Jahre alt.

Das Gedenken, das das „Comité Voettocht 30 december“ seit Jahren organisiert, gilt auch all denjenigen – etwa 3.000 – Menschen, die am 30. Dezember dann zu Fuß von Roermond aus bei klirrender Kälte und kniehohem Schnee wie Vieh nach Dülken getrieben wurden, um dort in Zügen in den Arbeitsdienst gebracht zu werden. Viele von ihnen sahen ihre Heimat niemals wieder.

„Es gibt noch einige wenige Zeitzeugen unter uns, die sich an die Schrecken des Krieges, an das unermessliche Leid, den Hunger, die Folter und den millionenfachen Tod ein Leben lang erinnern. Ihnen danke ich besonders, dass Sie an diesen Ort des Gedenkens gekommen sind. Ich kann nur vermuten, wie belastend es immer noch sein muss. Die allermeisten von uns aber wurden nach Kriegsende geboren. Wir setzen mit dem gemeinsamen Gedenken ein Zeichen gegen das Vergessen, halten die Erinnerungen wach und mahnen vor dem Schrecken und dem Leid, die Gewaltherrschaft, Kriege und Terror der Menschheit antun“, sagte Niederkrüchtens Bürgermeister Kalle Wassong.

Genau wie seine Roermonder Kollegen, die Wethouder Frans Schreurs und Gerard Ijff schlug er eine Brücke in die Gegenwart – zu den aktuellen Kriegen, in Syrien und anderswo. Zu den vielen Menschen auf der Flucht: „Wir können der Opfer heute - und Jahr um Jahr wieder - leider nur noch gedenken. Wenn wir aber den vielen Menschen auf der Flucht eine Zufluchtsstätte bieten, in der sie ankommen dürfen, in der sie sich angenommen fühlen und in der sie sicher leben können, treten wir aktiv für Frieden und Gerechtigkeit, für Mitmenschlichkeit und die Achtung der Menschenwürde ein. Reichen wir den Menschen auf der Flucht die Hand und lassen den Worten des Gedenkens Taten folgen“, so Kalle Wassong.

(StadtSpiegel)