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Ehrenamtlich für Senioren

Ehrenamtlich für Senioren
Verstehen sich blendend (v.l.): Peggy Löhr (Gemeinde Schwalmtal), Helga Münten und Monika Schöler (Besuchs- und Begleitdienst für Senioren). FOTO: Samuel
Schwalmtal. Mit Erfolg ist der kostenlose Schwalmtaler Besuchs-und Begleitdienst für Senioren angelaufen – organisiert von Peggy Löhr von der Seniorenberatung der Gemeinde Schwalmtal in Kooperation mit dem Schwalmtaler Bündnis für Familie. Speziell vorbereitete Ehrenamtler besuchen dabei Senioren in ganz Schwalmtal. Von Christiane Samuel

Der Montag und der Donnerstag sind zwei ganz besondere Tage für Helga Münten (80), die seit 2001 in Schwalmtal wohnt. Immer von 11 bis 12 Uhr kommt dann nämlich Monika Schöler (47) zu ihr nach Hause. Eine richtige Freundschaft sei da mittlerweile entstanden, betonen beide übereinstimmend. „Bereits beim dritten Besuch habe ich Monika das ’Du’ angeboten, denn wir waren und sind einfach ’auf einer Wellenlänge’“, freut sich die rüstige Seniorin über diese Bereicherung ihres Alltags. Als sie in einem Zeitungsartikel von dem neuen Service der Gemeinde gelesen hatte, rief sie direkt bei Peggy Löhr an und bekundete ihr Interesse. Denn durch ihre immer stärker werdenden Einschränkungen beim Laufen und Hören, habe sie sich zunehmend von der Außenwelt isoliert gefühlt. „Dass sich die Senioren von sich aus melden, ist eher ungewöhnlich. Viel häufiger schämen sich ältere Menschen schon fast für ihre Einsamkeit, und es kostet sie eher Überwindung, uns anzurufen,“ weiß Peggy Löhr.

Auch andere Ängste würden die Senioren hemmen, fährt sie fort. Angst, andere Menschen in die eigene Wohnung zu lassen. Angst, überhaupt neue Menschen kennenzulernen, Angst, nicht zu wissen, was man erzählen soll. „Dabei ist all das leicht in den Griff zu bekommen“, sagt Monika Schöler, die als eine der ersten von mittlerweile 10 Ehrenamtlern dabei war. „Durch meine Schwiegermutter, ist mir bewusst geworden, wie einsam der Alltag älterer Menschen plötzlich sein kann. Ich fand es schon immer interessant, mit älteren Menschen zu sprechen, ihre Geschichten zu hören und profitiere selbst auch sehr von meinen Besuchen bei Helga, denn sie ist sehr aufmerksam, interessiert sich im Austausch auch für mich!“

Zwar lebt Helga Münten im Haus des Sohnes mit der ganzen Familie zusammen - „aber die haben ja auch immer viel zu tun, sind beschäftigt. Ich freue mich auch über die Inspiration von anderen außerhalb der Familie, denn die haben einen anderen Blickwinkel, hören ganz anders zu,“ sagt sie nachdenklich. Die beiden Frauen würden ganz bewusste Qualitätszeit miteinander verbringen, erklären Helga Münten und Monika Schöler.

Peggy Löhr achtet bei der Zusammenstellung der Teams darauf, dass die Chemie zwischen Senior und Ehrenamtler stimmt, dass sich keine Partei überfordert oder missverstanden fühlt. Und sie betont, dass es hier nicht um Dienstleistungen oder Fahrdienste geht, sondern um regelmäßig gemeinsam verbrachte Zeit und kleine Hilfestellungen wie das Ausfüllen von Formularen oder eine Einkaufsbegleitung.

„Ich wünsche mir, dass auch jüngere Leute sensibilisiert werden und sich bei mir melden, wenn sie in der Nachbarschaft oder der Familie von älteren Menschen wissen, die einsam sind – und natürlich freuen wir uns über alle Senioren, die von sich aus anrufen oder über Menschen, die sich gerne als Ehrenamtler engagieren

möchten“, sagt sie.

(StadtSpiegel)