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100 Jahre Waldniel

100 Jahre Waldniel
Der frühere Bürgermeister Albert Heitzmann. FOTO: nms
Waldniel. Heute könnte die Gemeinde Waldniel ihren 100. Geburtstag feiern, das ist kein Aprilscherz. Am 1. April 1915 wurden die Gemeinden Burgwaldniel, Kirspelwaldniel und Lüttelforst durch einen königlichen Erlass vereinigt.

Während Burgwaldniel und Lüttelforst schon länger mehrheitlich für die Vereinigung waren, hatten sich die Kirspeler mit Händen und Füßen gewehrt.
Was sich alles damals zugetragen hat, hat der Waldnieler Heimatforscher Karl-Heinz Schroers in einem Beitrag für die Festschrift zum Waldnieler Schützenfest im Sommer recherchiert und in Worte gefasst. Er hat jetzt einen kleinen Einblick in seine Arbeit gewährt.
Wo Lüttelforst lag, dürfte klar sein. Burgwaldniel war der "Flecken Waldniel", der Bereich des Ortskerns. Als Kirspel oder "Kirchspiel Waldniel" bezeichnete man die umliegenden Bereiche, die zur Pfarre Waldniel gehörten.
Es war früher durchaus üblich, dass ein Bürgermeister die Verwaltung mehrerer Gemeinden übernahm. Das geschah für die drei Gemeinden schon im späten 18. Jahrhundert. Danach ging es aber zunächst wieder in die andere Richtung, Kirspelwaldniel bekam einen eigenen Bürgermeister. Aber schon 1823 wurde von der preußischen Regierung wieder die Personalunion angeordnet. Später gab es dann noch einmal zwei Bürgermeister.
Den Kirspelern war ihre Selbstständigkeit wichtig, auch wenn ab 1904 der Regierungssekretär Albert Heitzmann beide Posten übernahm und von da an gezielt auf eine endgültige Vereinigung hinarbeitete. Das Projekt erlitt jedoch zahlreiche Rückschläge. Als Heitzmann 1912 einen Vereinigungsvertrag vorbereitet hatte, stimmten die Räte von Burgwaldniel und Lüttelforst mehrheitlich dafür, KirspelWaldniel verschob kurzerhand die Beschlussfassung. Schroers' Bericht zeichnet die Protokolle dieser und der folgenden Versammlungen fast wortgetreu nach und bietet so einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt einer Zeit, die doch noch nicht so lange zurückliegt.
Auch als längst der königliche Erlass zur Vereinigung vorlag, kämpften die Kirspeler noch um ihre Selbstständigkeit. Inzwischen war der Erste Weltkrieg ausgebrochen. In einem Schreiben an den Preußischen Landtag führen sie sogar aus, die "Opferbereitschaft" fürs Vaterland könne nachlassen, falls man ihnen die Selbstständigkeit nehme.
Aber die Vereinigung kam, und sie hatte Bestand bis 1970. Da wurden die Gemeinden Waldniel und Amern zum heutigen Schwalmtal vereinigt – teilweise auch gegen Widerstände mit ganz ähnlichen Argumenten.

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