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Zuhause im Niemandsland

Zuhause im Niemandsland
Silvia und Peter Kolshorn leben "abseits der Zivilisation" FOTO: Joachim Burghardt
Niederkrüchten. Silvia und Peter Kolshorn leben abseits der "Zivilisation" inmitten von Wiesen und Wäldern. In Sachen Energien sind sie Selbstversorger mit Solaranlage und Brunnen. Von Joachim Burghardt

Die Pizza war längst kalt: "Der Fahrer des Pizza-Taxis suchte über eine Stunde, bis er uns fand", erzählt Peter Kolshorn und schmunzelt: "Den Weg hierher findet auch kein Navi." Denn Kolshorn und seine Frau Silvia, beide um die 50, leben im Niemandsland in Niederkrüchten zwischen Swalmen und Brüggen, der nächste Nachbar ist einen Kilometer entfernt, der nächste Ort gar sieben. Zu ihrem Häuschen führen nicht einmal Strom- oder Wasserleitungen.

"In Sachen Energie sind wir Selbstversorger, und das klappt gut", stellt Kolshorn klar. Bevor sie das sanierungsbedürftige ehemalige Bauernhaus erwarben, haben sie sich "gründlich beraten lassen und lange überlegt, wie das funktionieren kann". Seit 2014 leben die beiden dort, Energie kommt von der Solaranlage auf dem Dach, im Keller stehen LKW-Batterien als Stromspeicher, eine kleine Anlage wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um. Kolshorn: "Zurnot haben wir noch einen Stromgerator, und im Winter heizen wir zusätzlich mit Holz."

Das Gas für den Herd kommt aus dem Flüssiggastank hinten im Garten, das Abwasser kommt in eine Bio-Kläranlage, das Trinkwasser aus dem Brunnen, und das Internet funktioniert via Satellit. "Mehr an Technik ist nicht nötig, so haben wir alles, was wir brauchen, Strom, Heizung, warmes Wasser", erklärt Kolshorn,

Vorher wohnten die beiden in einer Siedlung in Brüggen-Born: "Aber wir leben einfach gern naturnah, mögen die Weite, die Landschaft um uns herum", erläutert Silvia Kolshorn. Eine sündhaft teure Investition war die gesamte Technik übrigens nicht: "Das kostete vielleicht so viel wie ein Kleinwagen, mehr hätten wir auch gar nicht geschafft", hebt Kolshorn hervor.

Silvia Kolshorn lächelt: "Man lebt so ja auch umweltbewusst und überlegt sich zweimal, ob man für ein bisschen Geschirr wirklich den Geschirrspüler nehmen muss." Und man müsse alles genau planen und organisieren, im Urlaub etwa müsse ja jemand das Haus hüten.

"Wir haben gezeigt, es geht auch so, man kann es schaffen, sich unabhängig zu machen", sagt Peter Kolshorn. So haben sie sich den Traum vom naturnahen Leben mit riesigem Garten verwirklicht, halten Hühner, Ponys, Pferde, einen Hund. Ringsum Wiesen, Wälder und Moore. Fürs Leben inmitten der Natur nehmen die Kolshorn auch in Kauf, dass sie eine gelieferte Pizza wieder aufwärmen müssen.

(StadtSpiegel)