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Rossellas „Abenteuer Oberkrüchten“

Rossellas „Abenteuer Oberkrüchten“
Rossellla (rechts) mit ihren Gastschwestern Annika (vorn) und Corinna, ihrer Gastmutter Claudia Lütters und Tageskind Stefan.
Oberkrüchten. Das „Abenteuer Oberkrüchten“ heißt für Rosella aus Mailand vor allem Spaß und neue Eindrücke. Von Heike Ahlen

Seit gut einem halben Jahr ist Rossella Colantuono (17) jetzt in Oberkrüchten. Vorher hat das Mädchen aus einem 10.000-Seelen-Ort in der Nähe von Mailand drei Jahre Deutsch gelernt – und dann begann das „Abenteuer Oberkrüchten“.

Claudia Lütters hatte sich auf eine Anzeige hin darum beworben, Gastmutter zu werden. Eine Vertreterin der Organisation Give brachte dann Vorschläge aus verschiedenen Ländern mit. Die Wahl fiel auf Rossella.

Oberkrüchten? „Ein Dorf, das ich nie vorher gehört hatte“, sagt die 17-Jährige. Claudia Lütters hatte ihr Prospekte und Landkarten geschickt, um sie einzustimmen. „Ich fühle mich wohl hier“, strahlt sie. „Ich mag das mit den vielen Menschen.“ Gerade angekommen, wurde sie direkt in alles einbezogen. Denn Claudia Lütters ist Tagesmutter. Eins der Tageskinder wollte gern etwas vorgelesen haben – eine gute Aufgabe, um das Deutsch zu verbessern. Sie besucht ein Gymnasium in Dülken. „Schule ist immer noch ein bisschen schwierig, ich muss vieles noch übersetzen und schreibe nicht alle Klausuren“, sagt Rossella. Sie mag Sprachen, hat außer Deutsch auch Französisch gelernt. Und sie ist sportlich – spielt Volleyball bei Schwarz-Weiß Elmpt. „Das ist ein Stück Heimat“, erklärt sie lächelnd.

Mit der Antwort auf die Frage, was das Schönste an dem Austauschjahr ist, lässt sie sich viel Zeit. „Jeden Tag etwas zu lernen, viel zu sehen und zu erleben“, sagt sie dann.

Da waren Radtouren in die Umgebung, niederländische Pommes und nicht zuletzt St. Martin. „Wir haben nicht nur Laternen gebastelt, sondern auch eine Martinsgans gemacht“, berichtet Claudia Lütters. „Das hatte ich schon ewig nicht getan.“ Auch das Oktoberfest hat Rossella kennengelernt – mit der klaren Erkenntnis: „Bier schmeckt nicht.“ Einige Freundinnen hat Rossella auch gefunden, mit ihnen hat sie auch Silvester verbracht – wie viele andere Teenager in diesem Alter auch.

Die größten Unterschiede? „Ich habe immer gedacht, hier in Deutschland denken die Leute mehr – das ist aber nicht immer so“, sagt Rossella. Dafür seien die Deutschen aber weniger impulsiv. Dass sie zu Hause vermisst werde, wisse sie, „zumindest ein bisschen“. Aber ihre Eltern denken, „dass das für mich und meine Zukunft gut ist“. Später möchte sie vielleicht einmal in einem Museum arbeiten, vielleicht auch hier in Deutschland. Einen Anlaufpunkt hat sie schon. „Claudia ist meine zweite Mutter“, sagt sie und lächelt.

(StadtSpiegel)