| 13.22 Uhr

Es ist heiß – sehr heiß!

Es ist heiß – sehr heiß!
Vorbereitung ist enorm wichtig, denn im WErnstfall muss wirklich alles „passen“ (unten). Extra-Tipp-Reporterin Heike Ahlen hat sich davon überzeugt, dass bei ihr die Atemmaske „sitzt“. FOTO: Feuerwehr Niederkrüchten
Niederkrüchten. Zwischen Hitze und Aufregung: Für einige Stunden bekam Extra-Tipp-Reporterin Heike Ahlen einen Einblick, was Feuerwehrleute alles leisten. Von Heike Ahlen

Irgendwann ist immer das erste Mal. Das erste Mal, dass ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau in ein brennendes Haus hineingeht, um dort im Innern Menschen zu retten und die Flammen zu bekämpfen. Alle Handgriffe rund um Schlauch, Strahlrohr und sonstiges Werkzeug sitzen wie im Schlaf, das wird immer wieder geübt. Aber wie gewöhnt man sich an die Hitze in einem brennenden Raum? Kann man das auch üben?

Ja, es gibt Wärmegewöhnungsanlagen. Und zwar in verschiedenen Arten. Von einer reinen Gewöhnung an den Umgang mit der Hitze über Übungen, sich kriechend fortzubewegen, bis hin zur Möglichkeit, unter realen Bedingungen einen Brand zu bekämpfen.

An diesem Morgen sind es sechs Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Niederkrüchten, die sich zum Üben versammelt haben – und ich. Uns gegenüber die Ausbilder, die Atemschutzüberwachung und die Helfer.

Die Wehrleute wissen, was auf sie zukommt. Sie haben unterschiedlich viel Erfahrung, aber alle kennen Einsätze der verschiedensten Art. Ich kenne Atemschutzmasken von den Fotos, die ich bei Übungen aus der Nähe, bei realen Einsätzen aus der Ferne gemacht habe. Da ist dann immer dieses „Darth-Vader-Geräusch“ beim Atmen. Die Maske sitzt, Wehrleiter André Erkens zieht die Gummis straff. Das ist im ersten Moment beklemmend. Erst recht, als er kurz testet, ob die Maske auch wirklich dicht anliegt. Da bleibt mir die Luft weg. Danach ist das Atmen so, wie ich es mir im Dschungel vorstelle – warm, feucht und anstrengend. Aber nur, bis die Flasche angeschlossen wird. Die Freiwillige Feuerwehr Niederkrüchten arbeitet mit Überdrucktechnik. So ist der Luftdruck in der Vollmaske immer geringfügig höher als in der Umgebung. Wenn es ein kleines Leck gäbe, würde die Luft immer von der Maske

nach außen strömen – was das Eindringen von Schadstoffen verhindert.

In dem Moment, wo die Luft aus der Flasche in die Maske kommt, ist sie kühl, sehr angenehm – und das Atmen geht wie von selbst. Ich hatte es mir anstrengender vorgestellt.

Anstrengend allerdings sind die 15 Kilo auf dem Rücken – so viel wiegt eine volle Atemluft-Flasche. Vor allem, weil man im Raum manchmal auf die Knie oder sogar noch tiefer muss, um der Hitze zu entgehen. Beim Aufstehen gibt es nichts, woran man sich festhalten könnte. Hier muss ich noch ziemlich an mir arbeiten, bis das klappt.

Obwohl ich gedacht habe, dass das Geräusch beim Atmen stören würde, nehme ich es schon nach wenigen Schritten kaum noch wahr. Meine Hochachtung für die Feuerwehrleute steigt. Obwohl es dunkel und sehr verqualmt in dem Raum ist, können die erfahrenen Wehrleute mit allen Sinnen sehr viel wahrnehmen und in Sekundenschnelle einschätzen. „Wenn Ihr den Boden sehen könnt, dann könnt Ihr aufrecht oder gebückt stehen bleiben, wenn der Boden nicht mehr zu sehen ist, müsst Ihr runter, vermutlich ist es dann eh zu heiß hier“, erklärt Ausbilder André Erkens. „Und jetzt mal alle die Luft anhalten.“

Er gibt einen kleinen Sprühstoß Wasser gegen die Decke ab. Wir lauschen mit angehaltenem Atem. Kein Zischen, kein tropfendes Geräusch. Das Wasser ist sofort verdampft. Das bedeutet, die Decke ist heiß – sehr heiß. Einer der Wehrleute hat eine Wärmebildkamera und kann die Hitzewerte ablesen. Ein paar Sprühstöße später ist die Temperatur der Decke deutlich gesunken.

Einfach den vollen Strahl aufs Feuer draufhalten wäre keine schlaue Idee. Dann würde sich eine große Menge Wasserdampf bilden, die den Raum noch weiter aufheizen würde. So heiß, dass wir wahrscheinlich unverrichteter Dinge den Rückzug antreten müssten. Wir hocken inzwischen auf Knien. Die Hose ist gut wattiert, es fühlt sich bequem an, nur die Flasche auf dem Rücken drückt. Auch Jacke und Handschuhe halten die Hitze gut ab. Alles besteht aus mehreren Lagen, zwischen denen sich die Luft sammelt und ein Polster bildet.

Das Erste und Wichtigste in einem brennenden Raum, das zeigen mir die Wehrleute, ist immer die Suche nach Menschen, die sich noch darin befinden. Zum Üben sind das schwere Stoffpuppen, die in der Dunkelheit gefunden und in Sicherheit gebracht werden müssen.

Irgendwann müssen wir raus. Langsam und ruhig. Erst als der heiße Raum hinter mir liegt, spüre ich plötzlich die Wärme. So, als ob sie jetzt, wo es um mich herum kühl ist, in die Ausrüstung krabbeln würde. Weitergehen. Irgendwann die Maske ab. Jemand reicht mir eine Flasche Wasser. „Trink“, mahnt er. Der erste halbe Liter ist in weniger als einer Minute weg. Dabei habe ich gar keinen Durst gespürt. Ich schaue auf den Helm, den Erkens mir keine Stunde vorher blitzblank gereicht hat. Überall schwarze Sprenkel. Es kommt mir ein wenig unwirklich vor, dass ich dort mit dringewesen sein soll, wo die Helfer jetzt das Feuer wieder richtig anfachen, bevor die nächste Gruppe zum Üben hineingeht. Aber ich weiß, dass ich es wieder tun möchte. Und dass ich, wenn ich in Zukunft über Einsätze berichte, noch mehr Achtung vor der Leistung und auch dem Zusammenhalt der Einsatzkräfte haben werde.

(Report Anzeigenblatt)
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