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Die Blumen sollen bleiben

Die Blumen sollen bleiben
Frank und Rosa-Maria Nüske in ihrem eigenen kleinen Paradies. Dieses soll nun weg. FOTO: Gina Dollen
Overhetfeld. Rot, gelb, blau und weiß blüht es vor dem Wohnwagen der Nüskes. Dahinter plätschert die Schwalm friedlich vor sich hin. Ein schöner Anblick. Aufgrund dessen, dass die Wildblumenwiese aber gepflanzt wurde und nicht natürlich gewachsen ist, soll sie entfernt werden. Von Gina Dollen

Die Nüskes

sind leidenschaftliche Camper. Sie lieben die Natur, ihren Wohnwagen, das gemütliche Zelt, das vor dem Wagen zum Verweilen einlädt – und sie mögen es, wenn es um ihren Wohnwagen herum hübsch aussieht. Zum Beispiel durch eine Blumenwiese. Doch genau die sorgt für unerwarteten Ärger.

Rückblick: Direkt an der Schwalm, mitten in der Natur gelegen, findet sich der Campingstellplatz des Ehepaars Nüske. Ein Traum für jeden Camper. Ein kleines Manko gab es jedoch. „Wenn ich schon einen Stellplatz hier habe, dann möchte ich auch aufs Wasser schauen können. Das ist dann für mich wie Urlaub“, erklärt Rosa-Maria Nüske. Bisher wurde dieser Blick aber von einer alten, verwilderten Hecke versperrt. Vergammelte Pfähle und kaputter Maschendrahtzaun mischten sich mit wucherndem Unkraut. Kein schöner Anblick. Für die Nüskes war klar: Hier muss was getan werden.

Kurzerhand wurde das Wirrwarr aus Zaun und Hecke hinter dem Wohnwagen beseitigt, um daraus ein kleines, aber feines Paradies zu machen. Blumenkübel und verspielte Dekoelemente trennen nun die Terrasse vor dem Wohnwagen vom Schwalmufer ab. Eine liebevoll gestaltete Wildblumenwiese führt hinunter ans Wasser. Das bunte Blumenmeer, was Rosa-Maria Nüske da gepflanzt hat, sorgt auch bei vielen Spaziergängern und Fahrradfahrern auf der anderen Uferseite für Begeisterung. Öfters fallen Sätze wie „Na endlich sieht das hier mal schön aus.“ Rosa-Maria und Frank Nüske sind stolz auf ihren kleinen „Garten“. Doch genau diese Tatsache, dass das Ufer nun mehr einem Garten ähnele, sorgt für Ärger.

Eine Mitarbeiterin des Schwalmverbands sei zufällig am Schwalmufer spazieren und auf das Campinggrundstück der Nüskes aufmerksam geworden. Das dürfe so nicht sein, das müsse alles weg, hieß es. Ein Schock für Nüskes. Die monatelange Arbeit und auch das Geld, was in die Verschönerung geflossen ist, sollten vergebens gewesen sein?

Das wäre nun ein Garten und keine Böschung mehr. Das ist laut europäischer Verordnung verboten. Wachsen dürfe hier nur das, was von alleine dort hingelangt ist. „Das hier sind aber doch alles Blumen, die zum Beispiel auch am Feldrand wachsen“, betont Rosa-Maria Nüske. Eine Wildblumenwiese eben. Außerdem würde die „Renaturierung“ der Schwalm verhindert. In den 60er Jahren wurden alle Flussläufe begradigt, dies soll nun rückgängig gemacht werden. Dabei ist es doch gerade die Natur, die von der Wildblumenwiese profitiert. Bienen, Libellen und andere Tiere finden hier Lebensraum, kleinere Säugetiere Schutz und Nahrungsquellen. Von der Oberkante des Flusses bis zum Wohnwagen sei ein drei Meter breiter Abstand einzuhalten, in den nicht eingegriffen werden dürfe. Das jedoch wurde dem Paar nie mitgeteilt. „Uns waren anderthalb Meter bekannt.“

So nahm die Sache ihren Lauf. Neben dem Schwalmverband wurden auch die untere Wasserbehörde und der Naturschutz eingespannt. Ein Behörden-Wirrwarr, durch welches das Ehepaar nur mit Mühe durchblicken konnte. Zunächst waren nur die Blumenkübel das Problem, denn die sind, und das ist verständlich, nicht gerade natürlich. Ein Mitarbeiter der unteren Wasserbehörde kam, zog eine Linie, bis zu welcher die Blumenkübel stehen dürfen und erteilte dann eine Genehmigung für die Blumenkübel – bis eben zu jener Linie.

Doch das Problem „Blumenwiese“ ist noch nicht gelöst. Die „gepflanzten“ Blumen sollen nach wie vor raus. „Dazwischen ist zum Beispiel auch Klatschmohn, der von alleine gewachsen ist“, erklärt Rosa-Maria Nüske. Jetzt soll also jede Blume angeschaut, entschieden werden „du bist gepflanzt“, oder „du bist natürlich“ und dann in ersterem Fall herausgerissen werden.

Auf Nachfrage beim Kreis Viersen hieß es, dass gar nicht die Blumenwiese das größte Problem sei, sondern die Uferbefestigung. In der Tat befinden sich am Ufer eine kleine Treppe und Steine, die verhindern, dass das Ufer durch Ausschwemmung immer näher an den Wohnwagen rückt. Die stören den „natürlichen Flussverlauf“. „Diese Befestigung war jedoch schon da, bevor wir unseren Stellplatz hier hatten“, erklärt Frank Nüske leicht verzweifelt. „Wir möchten wirklich keinen Streit, sondern einfach nur eine nachvollziehbare Lösung, die für alle Beteiligten in Ordnung ist“, ergänzt er.

Jetzt heißt es abwarten, bis das Prüfverfahren abgeschlossen ist und hoffen, dass die Blumenwiese bleiben darf. „Im Herbst verblüht eh alles, im nächsten Sommer müsste dann neu gesät werden“, betont Rosa-Maria Nüske. Vielleicht kann man also wenigstens bis zum Herbst noch auf eine schöne Blumenwiese und einen liebevoll gestalteten Campingplatz blicken.

Sobald das Prüfverfahren beendet und entschieden ist, ob die Blumenwiese bleiben darf, werden wir Sie natürlich hier im Stadt Spiegel darüber informieren.

(StadtSpiegel)