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Der Waldboden lebt

Der Waldboden lebt
Mit dem Pürckhauer rammen die Schüler eine Stange in den Boden, um eine Probe zu entnehmen. FOTO: Heike Ahlen
Niederkrüchten. Siebtklässler der Realschule Niederkrüchten entdecken, was krabbelt und kriecht – und für guten Boden sorgt. Von Heike Ahlen

Über Waldboden laufen, das weiche federnde Gefühl spüren. Und vor allem diesen Boden riechen. Für die Kinder rund um Niederkrüchten eine Selbstverständlichkeit. Aber warum ist der Waldboden so, wie er ist? Und warum riecht er so?

Die Klasse 7a der Niederkrüchtener Realschule hat sich auf Spurensuche begeben. Ihre Erdkunde-Lehrerin Anja Winkler hat schon im Studium Bodengeographie als besonders schönen Teil ihres Fachs empfunden. Um so trauriger war sie, dass dieser Bereich nun in den Lehrplänen nicht mehr behandelt wird. Weil sie ihrer Klasse zeigen will, wie lebendig der Boden ist – und wie schützenswert, hat sie den Lumbricus, den Umweltbus der Natur- und Umweltschutzakademie NRW eingeladen. Der Name Lumbricus stammt von einer Regenwurm-Gattung.

Und mit Würmern hat der Besuch im Wald am Ende auch zu tun, genauso wie mit Tausendfüßlern oder Asseln. Denn es geht um die Frage: Wer macht den Waldboden? Dietmar Schruck vom Lumbricus zeigt den Schülern zunächst ein Blatt aus dem vergangenen Herbst. Noch gut als solches zu erkennen, mit ein paar kleinen Löchern versehen. Dann wird gemeinsam im Boden gewühlt. Ein ein Jahr älteres Blatt weist schon deutlich mehr Spuren auf. Es wirkt dünner, teilweise schon skelettiert. Noch etwas tiefer liegen die Reste dessen, was vor vier bis zehn Jahren vom Baum gefallen ist. Durch diese Schicht ziehen sich bereits erste Wurzeln, hier finden Pflanzen schon Nährstoffe.

Die Arbeit mit Dietmar Schruck ist interessant. Dass es dazu in Strömen gießt, bemerken die Schüler kaum. Mit vereinten Kräften treiben sie einen hohlen Metallstock in den Boden. Wenn man den wieder herauszieht, kann man die verschiedenen Bodenschichten gut erkennen. Je weiter man nach unten kommt, desto heller wird der Boden. Mit einfachen Mitteln wird bestimmt: Das Material lässt sich zu einer Wurst rollen – also ist es lehmhaltig. Die Wurst kann man noch dünner machen – also ist es Lehmboden. Aber man hört es knirschen, wenn man die Wurst neben dem Ohr zerreibt. Das Ergebnis: Sandhaltiger Lehmboden.

Unter Totholz gehen die Schüler nun auf die Suche nach den Lebewesen des Waldbodens. Sie wollen erfahren, wie sie zusammenwirken, um aus dem fallenden Laub den guten nährstoffreichen Waldboden zu machen. Und sie lernen, dass die Dimensionen, in denen sie denken müssen, groß sind. „Das? Das liegt noch nicht so lange da“, sagt Dietmar Schuck bei einem Blick auf den Boden. „Erst ungefähr 50 Jahre.“ Denn bis aus dem vielen Laub nur ein Zentimeter neuer Waldboden entstanden ist, dauert es ein ganzes Jahrhundert.

(Report Anzeigenblatt)