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Wir müssen in Kreisen denken

Nettetal. Neue Wege suchen jetzt die beiden Parteien Bündnis90/ Die Grünen und die CDU in Nettetal. In einem gemeinsamen Antrag möchten die beiden Fraktionen die Stadt prüfen lassen, ob der angestrebte Rathaus-Erweiterungsbau nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip möglich ist. Von Ulrich Rentzsch

Im August 2016 war Michel Weijers, Projektmanager für das neue Rathaus in Venlo, auf Einladung der Grünen im Heydevelthof in Leutherheide zu Gast. Dort stellte er eben dieses Stadskantoor vor, dass direkt an der Maas errichtet wurde – nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip (C2C).

Derzeit wirtschaftet der Mensch noch überwiegend nach dem Cradle-to-Grave-Prinzip (von der Wiege zum Grab). Produzierte Waren lassen sich nach dem Gebrauch nicht mehr verwenden, können nicht mehr recycelt werden. Anders denkt man bei Cradle-to-Cradle: Hier folgt man den Prinzipien der Natur. Alle Produkte bleiben in einem Kreislauf, alle Stoffe können nach dem Gebrauch wieder verwendet werden. Genau so wurde das Venloer Rathaus konzipiert. Es lässt sich praktisch komplett auseinandernehmen und kann für eine weitere Nutzung verwendet werden.

In der letzten Zeit wurde das Rathaus in Venlo zu einem Besichtigungsziel. Die Nettetaler Verwaltung und auch die Fraktionen im Rat informierten sich ausführlich.

Guido Gahlings, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte sofort erkannt, dass C2C ein „grüner“ Gedanke ist. Damals erkannte er aber auch, dass so schnell keine Mehrheit im Rat für diesen Gedanken zu finden sei. Geduld war gefragt. Und die hatte Gahlings.

Die Grünen suchten das Gespräch mit der CDU, im kleinen Kreis wurde beraten, dann in den Fraktionen. Jürgen Boyxen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und gleichzeitig auch Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, hielt mit seiner Zustimmung nicht lange hinter dem Berg: „Das ist eine ökologische Idee mit einem neuen Ansatz, der nicht aus der Ecke des Ängstlichen kommt. Es ist die Richtung des Fortschritts.“ Besonders imponiert habe ihn der Satz von Michel Weijers, nicht immer mehr weniger schlecht, sondern immer mehr gut zu machen. Er zog ein positives Fazit: „Unser gemeinsamer Antrag hat ein positives Image, er ist ökonomisch sinnvoll und er schont die Ressourcen.“ Hier verbinde sich positive Weltanschauung und Machbarkeit.

Wird der Antrag im Rat am 5. Juli positiv beschieden, soll die Verwaltung prüfen, ob die Erweiterung des Rathauses in diesem Sinne der Nachhaltigkeit errichtet werden kann. „Wir wollen die Energien zunächst auf ein Projekt bündeln“, erklärte Guido Gahlings, später könne man prüfen, ob es weitere Optionen gebe. Christian Küsters, Ortsverbandsvorsitzender der Grünen, sagte: „Wir wollen niemanden und nichts überfordern, sondern Erfahrungen sammeln.“

(Report Anzeigenblatt)