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Obst mit Salz

Obst mit Salz
Beate und Matthias Engelke in einem Wohnzimmer in Kairo. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal/ Kairo. Beate und Matthias Engelke aus Lobberich leben seit einem halben Jahr in Kairo, um sich dort sozial zu engagieren und für den Frieden einzusetzen. Jetzt waren der ehemalige evangelische Pfarrer und seine Frau kurz auf Heimatbesuch in Nettetal – Anlass für eine Bilanz übers Leben in Ägypten. Von Joachim Burghardt

Eingelebt haben sie sich, ja, und doch bliebt vieles aufregend: „In der Metro sind wir meist die einzigen europäisch aussehenden Reisenden“, erzählt Matthias Engelke über das Leben in der ägyptischen Metropole. Vor allem der Verkehr „mit vielen Unfällen täglich“ sei ungewohnt: „Die Busse halten nicht an Haltestellen, sondern da, wo jemand steht und zusteigen möchte, und umgekehrt kommst du da raus, wo du es anmeldest, sonst braust der Bus vorbei.“

Immerhin haben sie sich als Christen eingelebt: „Wir haben Anschluss an eine griechisch-katholische Gemeinde gefunden“, nennt Engelke als Beispiel dafür, dass der Glauben ihren Alltag prägt, und zwar unabhängig von Konfessionen oder Religionen: „Wir besuchen auch Gottesdienste der deutschsprachigen protestantischen Gemeinde im alten Stadtzentrum, haben schon im ersten Monat mit einer befreundeten Familie zwei hohe muslimische Feiertage mitgefeiert, besuchen dann natürlich auch die Moschee.“

Das Miteinander der Bekenntnisse hat das Leben der Engelkes schon in Nettetal geprägt, wo der 59-Jährige zwölf Jahre Pfarrer von Lobberich-Hinsbeck war, und die 56-Jährige Vorsitzende des Fördervereins Flüchtlingshilfe. In Kairo nun wird der promovierte Theologe „mit dem Kollegen der griechisch-katholischen Gemeinde“ ein friedenstheologisches Seminar gestalten zum Thema „Die Gewalt arm und das Leben reich machen – den Frieden entdecken.“

Friedlich ging es nicht immer zu in den vergangenen Monaten in Ägypten: „Nach dem furchtbaren Anschlag auf die Moschee im Nord-Sinai gab es drei Tage Staatstrauer, Feiern wurde abgesagt, Behörden hatten zu“, erinnert sich Engelke und fügt hinzu: „Aber der Alltag geht weiter.“ Die Verständigung allerdings sei mitunter „mühsam“, obwohl sie durchaus Arabisch können: „Die sprechen so schnell!“ Dafür schwärmt er von der vielfältigen ägyptischen Küche.

Während Beate Engelke in einer ägyptischen Sprachschule arbeitet, in der die Kinder auf Deutsch unterrichtet werden, fährt Matthias Engelke regelmäßig nach Alexandria zum Caritas-Zentrum für gefährdete Kinder, die auf der Straße leben: „Dort helfe ich in der Küche mit, musiziere mit den Jungs.“ Zudem besuchte Engelke das Stadtviertel, in der Familien vom Müllsortieren leben: „In dieser Müllstadt habe ich vor 37 Jahren in einem Sozialprojekt gearbeitet, inzwischen stehen dort Häuser, und viele Kinder besuchen Schulen.“ Solch ein Fortschritt ist für die Engelkes allemal Motivation genug, sich weiter in Kairo zu engagieren.

(Report Anzeigenblatt)
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