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Nicht nur über sich selbst lachen

Nicht nur über sich selbst lachen
Foto: MTS GmbH/Dave Davis
Als afrikanischer Toilettenmann Motombo Umbokko wurde er berühmt, doch auch als Dave Davis selbst hat der "Bürger mit Melaninhintergrund", wie er sich auch mal gerne bezeichnet, auf der Bühne einiges zu berichten. Am 13. März zum Beispiel in der Werner-Jaeger-Halle. Vorher sprach Redakteurin Christina Reineke mit dem Comedian. Von Christina Reineke

Hast Du die Karnevalszeit gut überstanden oder bist Du noch in tiefer Trauer über das Ende der Session?

Ich bin auf 130 Terminen in sechs Wochen gewesen – für meine zweite Session schon ein straffes Programm. Traurig bin ich jetzt nicht, es war ne schöne Zeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat, weil ich im Karneval auch wieder als Motombo Umbokko auf die Bühne gehen darf.

Dein aktuelles Programm heißt "Blacko Mio!". Wie kam es zum Titel und was verbirgt sich dahinter?

Der Titel sagt eigentlich alles. Ich bin in Kölle geboren und im Rheinland ist "Lecko Mio!" ja ein Ausspruch der Verwunderung oder Begeisterung und das "Black" kommt hinzu, weil ich im Programm auch viel über mich erzähle. Es ist mein persönlichstes Bühnenprogramm bislang, weil ich auch viel von meinem Background erzähle. Außerdem führe ich den Zuschauern vor Augen, dass es schwachsinnig ist, Hautfarbe oder Herkunft so viel Bedeutung im Zusammenleben beizumessen, wie wir es tun.

Du bist Dir ja für keinen Schwarzen-Witz zu schade. Würdest Du sagen, es ist das beste Rezept gegen Schubladendenken mal über sich selbst zu lachen?

Der Witz ist ja, dass ich nicht nur über mich selbst lache. Es ist viel mehr so, dass ich gerne über andere lache und die Grundvoraussetzung dafür ist es, auch über sich selbst lachen zu können. Also ich gehe ja nicht auf die Bühne und mach mich zum Affen. Ich sehe es so: in dem Moment, wo ich jemanden zum Lachen bringe, pflanze ich den Samen der Erkenntnis in sein Herz und es kann ein wunderschöner Baum der Gemeinsamkeiten daraus wachsen.

Vor allem setzt Du Dich mit der Angst des deutschen Bürgers auseinander. Wovor haben wir denn Angst?

Eigentlich vor allem. Vor der Schwerkraft, vorm Ozon-Loch... Ich glaube, ich habe auch mal gelesen, dass Deutschland das Land mit den meisten abgeschlossenen Versicherungen ist. Prinzipiell ist Angst ja auch nicht verkehrt; die Natur hat uns das als Schutzmechanismus mitgegeben. Aber auf Dauer ist der Zustand nicht erträglich. Deshalb muss man sich fragen, wann macht es Sinn Angst zu haben und wann nicht. Wenn man der Welt offen gegenüber steht, erlebt man einfach viel mehr.

Und was ist die größte Angst des Komikers? Dass keiner lacht?

Das Problem hatte ich zum Glück noch nicht (lacht). Dank meiner langjährigen Erfahrung habe ich keine Angst mehr auf die Bühne zu gehen. Im Gegenteil, ich finde es toll, dass ich die Möglichkeit habe über bestimmte Themen wie "Fremdenhass" oder "Typisch Deutsch" zu reden und Menschen mir tatsächlich zuhören. Bei Aufzeichnungen hingegen habe ich Lampenfieber, weil es

ein anderer Kontext ist.

Wann hast Du denn das erste Mal herausgefunden, dass Menschen Dich lustig finden?

Da ich dem Leben immer etwas Positives, etwas Lustiges abgewinnen konnte, war Humor für mich immer etwas Natürliches. Bewusst geworden, dass mein Humor auch etwas für die Bühne sein könnte, ist es mir in der Mittagspause mit Kollegen. Ich erzählte einfach was und die anderen kriegten sich gar nicht mehr ein vor Lachen. Daraufhin habe ich mich bei der offenen Bühne angemeldet und dann ging alles ganz schnell. Innerhalb eines Jahres hatte ich schon meinen ersten TV-Auftritt.

Worauf dürfen sich die Zuschauer in Nettetal freuen?

Der Name Nettetal sagt ja eigentlich schon alles. Da ich spontan bin und auch auf mein Publikum eingehe, Fragen stelle, braucht keiner Bedenken haben, dass ich einfach nur mein Programm abspule und wieder gehe. Wenn man eine Show gesehen hat, muss das nicht bedeuten, dass die nächste wieder genauso wird. Man darf also gespannt sein.

(Report Anzeigenblatt)