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Naturwissenschaften hautnah erleben

Naturwissenschaften hautnah erleben
Der Projektkurs der Stadtwerke Nettetal ermöglicht Schülern nachhaltige Einblicke in die Trinkwasserversorgung. Rund um die Uhr kümmern sich Mitarbeiter des Wasserwerks, damit das System läuft und wir mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgt werden. Kyra (r.) und Dirk Hintze (l.), Lehrer für Chemie und Biologie am Werner-Jaeger-Gymnasium sowie drei Mitschüler beim Pumpversuch.
Nettetal. Bereits zum fünften Mal bietet der lokale Energie- und Wasserversorger diesen praxisorientierten Unterricht an. Mit dem Thema Hydrogeologie, der Wissenschaft vom Wasser in der Erdkruste, führt das Unternehmen die Gymnasiasten an naturwissenschaftliche Berufe heran. Von der Redaktion

Für den praktischen Teil des Seminars trafen sich die zehn Schülerinnen und Schüler der Oberstufenjahrgänge des Werner-Jaeger-Gymnasiums auf dem Gelände des Wasserwerks Lobberich. Rund um das Wasserwerk führten die Schüler einen Feldversuch durch, der zu den wichtigsten Geländemethoden der Hydrogeologie gehört. Dafür pumpten sie aus einem Brunnen 30 Minuten lang Wasser ab. Zeitgleich positionierten sich die jungen Forscher an verschiedenen Grundwasser-Messstellen im Umkreis des Brunnens. Kyra (16 Jahre) nahm das Maßband an sich und ermittelte – unterstützt von ihren Mitschüler – in festen zeitlichen Abständen den Grundwasserspiegel. Jede Minute ertönte ein akustisches Signal, wenn Kyra das Kabellichtlot in das Grundwasser-Beobachtungsrohr hielt, so dass es mit Wasser in Kontakt kam. Ein anderer Schüler protokollierte genauestens den gemessenen Wasserstand für die Auswertung der Ergebnisse.

Jorrit, ebenfalls 16 Jahre, ist auch ganz bei der Sache. Besonders hat ihn der theoretische Teil des Kurses angesprochen. Überrascht war er von der Bandbreite an Aufgaben, die die Stadtwerke Nettetal abdecken, angefangen von der Energie- und Wasserversorgung bis hin zum Betrieb der Straßenbeleuchtung. Kyra möchte später Medizin oder Pharmazie studieren. Der Projektkurs der Stadtwerke Nettetal bildet eins von vier Modulen, die relevant für das Abitur sind und mit denen sie eine Facharbeit ersetzen kann. Außerdem hat Kyra das Krankenhaus Lobberich und Viersen sowie den Netteverband besucht.

Christian Plaßmann, technischer Leiter der Kommunalen Partner Wasser, erklärt den Feldversuch: „Der Zustrom aus dem Grundwasserleiter ist kleiner als die entnommene Menge. Dadurch senkt sich der Wasserspiegel im Brunnen selbst und in der Umgebung ab. Um den Brunnenschacht bildet sich ein lokales Grundwassergefälle, auch Absenkungstrichter genannt, der sich mit zunehmender Zeit weiter ausbreitet und vertieft.“ Laut Plaßmann ist der Pumpversuch eines der wichtigsten Verfahren der Grundwassererkundung. Mit Hilfe des Feldexperiments lässt sich bestimmen, wie ergiebig ein Brunnen für die Trinkwassergewinnung ist.

Dirk Hintze, Lehrer für Chemie und Biologie am Werner-Jaeger-Gymnasium, freut sich über den nicht alltäglichen Einblick, den die Stadtwerke Nettetal seinen Schülerinnen und Schülern ermöglichen: „Durch den fünftägigen Projektkurs sehen wir die Arbeiten, die für die Bereitstellung von Trinkwasser notwendig sind, mit anderen Augen. Die meisten von uns hatten die Vorstellung, dass die Aufbereitung von Trinkwasser sozusagen auf Knopfdruck funktioniert. In der praktischen Arbeit wurde schnell deutlich, dass Wasserversorger in ständiger Bereitschaft für unser Trinkwasser sind. 24 Stunden am Tag kümmern sich Mitarbeiter der Wasserwerke, damit das System rund läuft und wir mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgt werden.“

Die interessierten Oberstufenschüler nehmen die gewonnenen Erkenntnisse gerne mit. „Die Wasserwirtschaft ist sehr komplex und Neuland für uns“, erklärt ein Schüler. „Besonders erstaunt waren wir über die sehr gute Qualität des Wassers und die tektonischen Besonderheiten hier in der Region.“

Bereits zum fünften Mal unterstützen die Stadtwerken Nettetal die Schülerakademie am Werner-Jaeger-Gymnasium mit einem Projektkurs zum Thema Hydrogeologie, der Wissenschaft vom Wasser in der Erdkruste. Zehn Schülerinnen und Schüler der Oberstufenjahrgänge nehmen dieses Jahr an dem Seminar teil. Finanziert und umgesetzt wird der Lehrgang von den Stadtwerken Nettetal. „Mit unserem Angebot wollen wir den Schülerinnen und Schülern umfassende Einblicke und Erfahrungen über die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung geben und ihnen dadurch eine frühzeitige Orientierung im Hinblick auf Studium und Beruf ermöglichen“, erklärt Norbert Dieling, Geschäftsführer der Stadtwerke Nettetal. „Letztlich soll das Interesse am Studium in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) geweckt werden.“ In dem Seminar erhalten die Gymnasiasten einen Einblick in die Wasserwirtschaft, Trinkwasserversorgung sowie Wassergewinnung. Zudem werden Kenntnisse zu den Themen Wasserkreislauf, Bodenkunde und Grundwasser vermittelt. Die fünf Module umfassen 20 Schulstunden, die 14-tägig im Block von vier Stunden mit einem Theorie- und Praxisteil unterrichtet werden. Gruppenarbeiten, Arbeiten im Gelände und praktische Arbeiten im Wasserwerk Lobberich gehören dazu.

Ergänzt wird der Projektkurs durch verschiedene Versuche beispielsweise am Pumpmodell und chemische Laboranalysen. Ein Besuch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen im Lehrstuhl Ingenieurgeologie und Hydrogeologie ist ebenfalls geplant. Im Anschluss an jeden Block präsentieren die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse und diskutieren sie mit allen Teilnehmern. Die Schülerinnen und Schüler erstellen im Verlauf der Akademie eine Präsentation oder Facharbeit, in der das Thema vertieft und die Ergebnisse gebündelt dargestellt werden. Die Teilnahme an der Schülerakademie können sich die Gymnasiasten zertifizieren und für die MINT-Fächer anrechnen lassen.

Die Schülerakademie am Werner-Jaeger-Gymnasium basiert auf der intensiven Zusammenarbeit von Gymnasium, Unternehmen und Hochschule. Aufgabe der Unternehmen ist es, die Tätigkeit von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern zu demonstrieren. Dies geschieht im Rahmen eines praxisorientierten Seminars über drei Monate. Möglichst alle Gymnasiasten der Oberstufe sollen die Möglichkeit haben, ein Praxis- und Wissenschafts-Seminar zu absolvieren. „Das Konzept zum angebotenen Projektkurs haben wir mit Lehrerinnen und Lehrern des Werner-Jaeger-Gymnasiums im Detail abgestimmt“, erläutert Plaßmann. „So können wir garantieren, dass das Seminar zum Thema Hydrogeologie auch hundertprozentig den Anforderungen der Schülerakademie gerecht wird.“

Auskünfte zur Schülerakademie bei den Stadtwerken Nettetal erteilt Ute Hansen telefonisch unter 02157/ 1205–111 oder per E-Mail unter ute.hansen@stadtwerke-nettetal.de. Weitere Informationen zum Angebot und den Leistungen der Stadtwerke Nettetal gibt es im Internet unter www.stadtwerke-nettetal.de.

(StadtSpiegel)