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Hormone nicht mehr in Verruf

Hormone nicht mehr in Verruf
Dr. Klaus Heiden, Frauenarzt in Nettetal-Lobberich, plädiert für eine kontrollierte Hormonbehandlung für Frauen in den Wechseljahren. FOTO: Uli Rentzsch
Lobberich (ur). Frauen in den Wechseljahren müssen unter Umständen mit einer verringerten Lebensqualität zurechtkommen: Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen. Hilfe kann eine Hormonersatzbehandlung bieten. Der Extra-Tipp sprach mit dem Nettetaler Frauenarzt Dr. Klaus Heiden. Von Ulrich Rentzsch

In einer 2002 veröffentlichten Studie, der WHI-Studie, wurde gezeigt, dass eine Hormonersatzbehandlung (HRT) durchaus mit erheblichen Risiken behaftet sei. Allerdings waren die Probandinnen in dieser Studie Frauen im Alter von 60 bis 70 Jahren – also weit nach der Zeit der Wechseljahre. Dennoch wurde von einer HRT abgeraten. Inzwischen hat sich die Sicht auf die Dinge geändert.

Herr Dr. Heiden, rund 70 Prozent aller Frauen haben mehr oder weniger große Beschwerden in den Wechseljahren. Worunter leiden diese Frauen?

Durch das Nachlassen der körpereigenen Hormonproduktion treten im Alter von circa 50 Jahren entsprechende Ausfallserscheinungen auf. Diese haben sie oben schon erwähnt: wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Scheide und Stimmungsschwankungen.

Damit ist die Lebensqualität eingeschränkt. Was kann man dagegen tun?

Man muß die fehlenden natürlichen Eierstockshormone ersetzen, dann lassen die Beschwerden nach circa zwei bis drei Wochen nach.

In einer 2002 veröffentlichten Studie, der WHI-Studie, wurde noch von einer solchen Hormon-Ersatztherapie abgeraten.

Das Studiendesign entsprach nicht unserer Behandlungswirklichkeit. Die Therapie muss mit circa 50 Jahren beginnen, nicht wie in der Studie mit 60 bis 70.

Eine aktuelle Studie, die California Teachers Studie, zeigt andere Ergebnisse.

Hier wurden zwei Frauengruppen mit einander verglichen. Die einen bekamen Hormone, die anderen nicht. Bei der Hormongruppe war nach fünf Jahren die Sterblichkeitsrate signifikant verringert.

Jetzt haben JoAnn E. Manson und Andrew M. Kaunitz, die die WHI-Studie damals durchgeführt hatten, die Fehlinterpretationen ihrer Studiendaten bedauert. Nun heißt es sinngemäß, eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren habe mehr Nutzen als Risiken. Was denken Sie?

Leider hat die damalige WHI-Studie eine große Verunsicherung erzeugt und viele Frauen haben die HRT abgebrochen.

Sie plädieren für eine ärztlich kontrollierte HRT vor Beginn der Wechseljahre. Wie lange sollte diese Behandlung dauern?

Bei Frauen, bei denen keine Gegenanzeige besteht und die entsprechend starke Beschwerden haben, würde ich eine fünf- bis sechsjährige Therapie für sinnvoll halten.

Was sind die Vorteile einer HRT, und was sind die Risiken?

Das Wichtigste ist erst einmal, dass die Lebensqualität der Frauen sich verbessert. Ein weiterer Effekt ist die Verringerung der Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), auch Herzkreislauferkrankungen werden durch die Östrogene, wenn sie früh genug angewandt werden, vermindert. Dadurch, dass die Scheidenhaut sich unter der Therapie wieder richtig aufbaut, verbessert sich auch die Sexualfunktion. Dies kann natürlich auch durch lokale Anwendung der Östrogene erreicht werden.

Bei längere Anwendung als sechs Jahre ist bei der Hormon Kombination (Östrogen u. Gestagen) das Brustkrebsrisiko leicht erhöht, bei reiner Östrogenanwendung aber sogar erniedrigt.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

(Report Anzeigenblatt)