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Ein weiteres Experiment

Nettetal (red). Ein „hungriger Ort“ trifft viele „Lost Places“ – unter diesem Motto öffnet speziell zum „Tag der Architektur 2015“ NRW am 27. und 28. Juni eine Ausstellung in Nettetal- Breyell, die sich diesen besonderen Orten widmet. Von Claudia Ohmer

Wenn Gebäude verfallen, Orte verlassen werden und die Natur sich immer mehr den früher urbanen Raum zurückerobert, entwickelt sich ein Zauber, der das Besondere eines Ortes erahnen lässt. Diesen Zauber des Morbiden hat Fotografin und Redakteurin Claudia Ohmer in ihren Aufnahmen eingefangen.

Das „Experiment“ in Breyell öffnet seine Türen am Samstag, 27. Juni, und zeigt in einer künstlerischen Rauminstallation, initiiert von der Innenarchitektin Anthoula Kapnidou, diese Fotografien unter dem Titel „Lost Places“.

„Jedes Gebäude und jeder Ort, auf dem auch nur eine Ruine steht, hat seine Geschichte. Es ist wichtig, genau hinzuschauen und aufmerksam hinzuhören, was sie einem erzählen wollen, wenn nach Jahren der Verlassenheit ihre wilde Schönheit neu entdeckt wird“, schwärmt Anthoula Kapnidou.

„Es ist beeindruckend, wie sich die Natur ihr Territorium zurück erobert, was aus Wänden und Decken sprießt, wie sich das Grün unaufhaltsam seinen Weg bahnt“, so Claudia Ohmer, die auf ihren Reisen immer wieder neue Plätze entdeckt, die früher genutzt wurden und nun vergessen sind.

Verlassene Textilfabriken, still gelegte Wasserwerke, „schlummernde“ Gefängnisse - auch im Kreis Viersen bieten sich einige spannende Kulissen, um Geschichten neu zu entdecken. Ein Stück Nettetaler Geschichte konnte die Fotografin so für die Zukunft bewahren, als sie die besondere Gelegenheit erhielt, die alte Textilfabrik Niedieck vor ihrem Abriss zu fotografieren.

„Alte rostige Schrauben lagen verloren im Laub. Eine Sitzauflage mit reichlich Grünspan wartete darauf, eins zu werden mit der übrigen Natur. Das sind Motive, die mich begeistern“, berichtet Claudia Ohmer von ihren Erfahrungen mit den „Lost Places“.

Von der gleichen Begeisterung ist auch Anthoula Kapnidou erfasst, wenn sie verlassene oder brach liegende Orte entdeckt, die danach „hungern“, neu gestaltet und belebt zu werden und sei es temporär. So ist die Idee zum Projekt „Hungrige Orte“ entstanden, welches sie mit der Kulturkulinarikerin Katrin Schwermer-Funcke entwickelte. Umgesetzt wurde diese Idee im „Experiment“, einem „hungrigen“ Raum, der nach Kreativität und Belebung verlangte, bis dieser Raum seiner alten Nutzung als Eisdiele wieder übergeben wird.

(Report Anzeigenblatt)