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Der Müll macht Stunk

Der Müll macht Stunk
Lageplan des Wertstoff- und Logistikzentrums. Im Vordergrund ist das Wertstoffzentrum für die Bürger des Kreises erkennbar, im hinteren Bereich die Umladehallen des Logistikzentrums.
Kaldenkirchen. Im grenzüberschreitenden Gewerbegebiet soll ein Wertstoff- und Logistikzentrum entstehen. Heißt: Es wird Müll umgeladen. Die Frage steht im Raum: Stinkende „Müllfabrik“ oder Nutzen für Nettetals Bevölkerung? Und: Wie können Kaldenkirchener Bürger angemessen auf die Stadtentwicklung einwirken? Von der Redaktion

Bereits 2003 hatte die Stadt Nettetal die Voraussetzungen geschaffen, das im VeNeTe-Gebiet Industrie ansiedeln kann. Unter diesen Begriff Industrie fällt jetzt das Wertstoff- und Logistikzentrum des Kreis Viersen. Doch dagegen mehrt sich nun der Protest der Bevölkerung. Denn: Was hieße dies konkret für den Landwirt, der seine Erdbeeren und seinen Spargel direkt an einer großen Müllanlage anbauen muss? Was machte das mit mir selbst, wenn ich in meiner unmittelbaren Umgebung unangenehme Gerüche zu tolerieren hätte? Die Meinungen der Bürger über die geplante „Müllfabrik“, ob sie eine Belastung für die Luft, Wasser und vor allem für die Menschen sein wird, gehen derzeit in Kaldenkirchen weit auseinander.

Die Befürworter beteuern, dass die Belastungen für Mensch und Umwelt verträglich sein werden. „Wie groß ist Ihre Bereitschaft, dass Bauvorhaben zu stoppen?“ Die Frage geht an Jörg von Gierke, einen der Initiatoren der auf Facebook entstandenen Plattform „Venete – Ja, aber nicht so!“ „Weit über 100 Prozent“, sagt der gebürtige Kaldenkirchener mit einem Lächeln. Der Facebook-Gruppe sind schon über 1.400 User beigetreten. Dennoch ist den Initiatoren gar nicht zum Lachen zu mute. „Wir werden alle erdenklichen Rechtsmittel ausschöpfen, um das Bauvorhaben zu stoppen“, heißt es. Bürger, die die verwaltungsrechtlichen Spielregeln nicht gleich mit der Muttermilch aufgesogen haben, müssen reichlich Freizeit opfern, wenn sie Beschlüsse einer Stadt oder gar der Bezirksregierung rückgängig machen wollen.

„Wir stehen hier vor einem grundsätzlichen Problem“, sagt ein Mitglied der Facebook-Gruppe. „In der schnelllebigen Zeit hat man trotz all der zur Verfügung stehenden Medien nicht die Zeit, die getroffenen Verwaltungsentscheidungen der Kommunen und des Kreises nachzuvollziehen. Wir brauchen einfachere und transparentere Verfahren und mehr direkte Demokratie.“

Die Initiatoren werden fleißig nach Unterstützern gegen das geplante Vorhaben der Stadt suchen, die sich ihrem Protest anschließen. Die Hoffnung ist bei ihnen groß, dass sie doch noch zu verhindern ist, die „Müllfabrik“ direkt vor ihrer Haustüre. Man vertraue nicht den Aussagen, dass die Müllumladestation so umweltverträglich ist, wie die Befürworter beteuern.

(StadtSpiegel)