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Das Pfarrhaus wird ein Welthaus

Das Pfarrhaus wird ein Welthaus
Wie ein Symbol hängt die Weltkarte im evangelischen Pfarrhaus in Lobberich (von links): Wilfried Niederbröcker (Flüchtlingshilfe Nettetal), Jochen Müntinga (Jugendamtsleiter), Simone Wagner-Breuer (Ev. Jugend- und Familienhilfe), Fatbardh Obrahimi (Gruppenleiter der Einrichtung), Detelf Wiecha (Geschäftsführer der ev. Jugend- und Familienhilfe). FOTO: Stadt Nettetal
Nettetal. Die Sonne strahlt in das helle und freundliche Wohn- und Gemeinschaftszimmer, an der Wand hängt eine große Weltkarte. Auch der renovierte restliche Teil des evangelischen Pfarrhauses an der Steeger Straße in Lobberich erweckt den Eindruck, als wäre es für genau diesen Zweck geschaffen worden. Von der Redaktion

Über eine neue Möglichkeit der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern freuen sich deshalb nicht nur die evangelische Jugend- und Familienhilfe als Träger, sondern auch die Stadt Nettetal, die hier seit der vergangenen Woche zehn junge Menschen nach ihrer anstrengenden Flucht, die teilweise mehrere Jahre andauerte, beherbergt und auf ein Leben in ihrer neuen Heimat vorbereiten will.

Den Stein ins Rollen brachte Elke Langer, neue evangelische Pfarrerin in Lobberich. Für sie erschien es ethisch nicht richtig, alleine ein solch großes Haus zu bewohnen. Sie wandte sich 2015 an den Presbyter Wilfried Niederbröcker, der das 220 Quadratmeter große Pfarrhaus dem Jugendamt der Stadt anbot.

Nettetal ist laut Quote aktuell für die Unterbringung von 32 minderjährigen Flüchtlingen verantwortlich. Dass das Haus nach einer notwendigen Renovierung dazu den passenden Rahmen bilden würde, stand schnell fest, so dass innerhalb kurzer Zeit die Betreuung der jungen Flüchtlinge gewährleistet werden konnte.

Eine Betreuung, die in diesem Fall in die Hände der evangelischen Jugend- und Familienhilfe übertragen wurde. Zumeist haben die ausnahmslos männlichen Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahre eine abenteuerliche Flucht hinter sich. „Sie sind froh, sich erst einmal ausruhen zu können. Es ist nicht leicht, während der Flucht an toten Mitflüchtenden vorbeischreiten zu müssen“, erklärt Simone Wagner-Breuer. Sie ist Koordinatorin der Angebote für unbegleitete minderjährige Asylbewerber der evangelischen Jugend- und Familienhilfe: „Es ist wichtig, diesen Menschen eine Perspektive zu geben. Sie stammen aus einem anderen Kulturkreis, einem anderen sozialen Umfeld. Wir geben ihnen zunächst Schutz, Sicherheit und Versorgung. Ab dem 18. Lebensjahr werden dann sinnvolle Nachfolgemaßnahmen zur Integration fortgeführt.“

Auch wenn mit dem Bezug des Pfarrhauses ein wichtiger Schritt zur Integration geleistet wurde, Hilfe benötigen Träger und Stadt dennoch: Für die Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber sucht die evangelische Jugend- und Familienhilfe ehrenamtliche Unterstützung.

(Report Anzeigenblatt)