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Das Minarett, das keiner kennt

Das Minarett, das keiner kennt
Tahir Yavuz, Vorsteher der Islamischen Gemeinde zu Nettetal, vor dem neuen, aber von außen eher unauffälligem Minarett an der Lobbericher Burgstraße. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Stell dir vor, da steht ein Minarett – und keiner hat’s gesehen! So geschehen in Lobberich: An der Moschee in Lobberich wurde ein kleines Minarett angebaut. Trotz vieler Diskussionen vorher blieb es nahezu unbemerkt. Von Joachim Burghardt

„Das Minarett steht schon fast zwei Monate, Reaktionen oder Anfragen hat es aber kaum gegeben“, wundert sich Tahir Yavuz. Der Vorsteher der Islamischen Gemeinde zu Nettetal erzählt, er habe sogar Besucher der Moschee gezielt gefragt, ob ihnen nichts auffalle – und dann gezielt aufs Minarett hinwiesen müssen. Aufsehen freilich wollte die Gemeinde ohnehin nicht erregen, betrachtet sie das Minarett laut Yavuz doch „eher als ein internes Symbol für unser Gotteshaus“.

Und so sieht er aus, der Turm, der eigentlich ein Türmchen ist im Vergleich zu den Kirchtürmen in Lobberich: Schlank, aus grauem Stahl, nur um die dreizehn Meter hoch, nicht frei stehend, sondern angebaut an die Moschee im Innenhof des Gebäudekomplexes an der Burgstraße 3.

„Die Akzeptanz in der Bevölkerung“ war der Gemeinde von Anfang an wichtig: In Gesprächen mit der Stadt, in Diskussionen mit christlichen Kirchengemeinde und Parteien in Nettetal stellte der Moscheeverein seit 2013 klar, dass eine Plattform für einen Muezzin, den Gebetsrufer, nicht vorgesehen sei, entsprechend sah auch der Bauantrag aus.

Obwohl den Muslimen von allen Seiten Verständnis für ihren Wunsch nach einem Minarett signalisiert wurde, hat die Gemeinde nun auf eine offizielle Feier oder Einweihung verzichtet. „Die politische Situation scheint uns dafür nicht günstig“, sagt Yavuz und deutet an, aus einer bestimmten politischen Ecke gebe es Stimmungsmache gegen den Islam und gegen Muslime: „Da fehlt der Respekt im Umgang miteinander.“

(StadtSpiegel)