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Abschied aus der Kirchengemeinde
Das Ende einer Ära

Abschied aus der Kirchengemeinde: Das Ende einer Ära
Beate und Matthias Engelke haben sich für einen neuen Lebensweg entschieden. FOTO: Joachim Burghardt
Lobberich/Hinsbeck. Pfarrer Matthias Engelke und seine Frau Beate verlassen nach zwölf Jahren die evangelische Gemeinde Lobberich-Hinsbeck. Am kommenden Sonntag wird Pfarrer Engelke seinen letzten Gottesdienst leiten. Voraussichtlich ab Oktober wird der neue Pfarrer und die neue Pfarrerin ihren Dienst in der Kirchengemeinde antreten. Von Joachim Burghardt

Eine Ära geht zu Ende: Matthias Engelke, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck, scheidet im nächsten Monat aus dem Amt. Friedensforschung will er künftig betreiben, geht dafür zusammen mit seiner Frau Beate Engelke ungewöhnliche Wege – erst in ein katholisches Kloster, dann nach Ägypten.

"Als Pfarrer geht es mir um Seelsorge, Gemeindeleitung und Friedensarbeit, aber das alles kann eine einzelne Person gar nicht alles leisten", nennt Engelke als Grund. Bereits in jungen Jahren widmete er sich der Friedenstheologie, Versöhnung und Gewaltfreiheit bestimmen bis heute sein Wirken – auch in der Gemeinde.

Inzwischen hat das Presbyterium der Kirchengemeinde die Pfarrerstelle neu ausgeschrieben. Aus den sieben Bewerbungen kamen vier in die engere Auswahl. Ab Ende Juli werden die Bewerber ihre Probepredigten in der Gemeinde halten. Bis Oktober soll dann die Entscheidung, wer neuer Pfarrer/Pfarrerin in Lobberich/Hinsbeck wird, gefallen sein.

Als Engelke 2003 Pfarrer von Lobberich wurde, war die Gemeinde zerstritten, die Pfarrstelle anderthalb Jahre vakant, vieles lag brach. Typisch Engelke, würde man heute darüber sagen, wie er damals reagierte: Er betete und fastete, damit "auch die Gemeindemitglieder, die nicht einmal mehr miteinander reden, sich wieder an einen Tisch setzen".

Heute "funktioniert" die Kirchengemeinde, ist geprägt von Gottesdiensten und Jugendarbeit, von gelebter Solidarität wie dem Einsatz für benachteiligte Menschen. "Gemeindearbeit fußt auf der Kernaussage des Evangeliums, also auf Liebe, Versöhnung, Frieden", meint Engelke schlicht. Die Ära Lobberich sei seine "schönste Zeit als Pastor" gewesen; andernorts seien Pfarrer-Wechsel übrigens schon nach zehn Jahren üblich.

Presbyterium, Landeskirche und seine Familie, Ehefrau und zwei erwachsene Kinder, segneten Engelkes Vorhaben ab, ein Jahr lang unbezahlten Urlaub zu nehmen. So werden Beate und Matthias Engelke für ein Jahr im Kloster St. Michael der Steyler Missionare in Steyl leben, die Kontakte kamen über einen befreundeten Pater.

Beate Engelke bleibt ehrenamtlich in der Nettetaler Flüchtlingsarbeit aktiv, arbeitet weiter als Konrektorin der Kreuzherrenschule in Brüggen, ihr Einkommen sichert beiden den Lebensunterhalt. Matthias Engelke wird friedensforschen, "neue Fachliteratur studieren, reisen, Gespräche führen".

Sein Ziel: "Ich möchte an die Friedenstheologie der 1980-er Jahre anknüpfen, hoffe, dass sie wieder etabliert wird und in den Kirchen Beauftragte für Friedensarbeit wirken." Ohne Gewaltverzicht und Versöhnungsbereitschaft als christliche Grundsätze seien freiheitliche Ideale nicht umzusetzen. Leben wollen die Engelkes diese Einstellung nach ihrer Zeit in Steyl in einem Kloster in dem Land, für das sie ein Faible, in dem sie Freunde haben – Ägypten.