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Carola heißt die Königin

Kaldenkirchen. Es ist vollbracht: Die Kaldenkirchener St. Lambertus und Junggesellenbrunderschaft übergab Kette und Zepter erstmals einer Schützenkönigin. Carola Verkoyen ist damit die erste Frau in diesem Amt in der langen Tradition der Schützenbruderschaft. Von Ulrich Rentzsch

Mit dem 389. Schuss war der Vogel gefallen. 199 Schüsse hatte Carola Verkoyen abgegeben. Kaum war der Vogel nicht mehr auf der Stange (am vergangenen Samstag, um 18.05 Uhr), gab es Glückwünsche von allen Seiten, aus allen Richtungen. Vorher, im Januar, hatte sie bei der Jahreshauptversammlung den Vogel geputzt und damit ihr Vorhaben, Schützenkönigin zu werden, kund getan. „In unserer Bruderschaft haben Männer und Frauen die gleichen Rechte“, erklärt Carola Verkoyen, „wir Frauen können an den Schießwettbewerben teilnehmen und alle Ämter bekleiden.“

Das Schützenwesen liegt ihr im Blut, seit ihrer Kindheit hat sie kein Schützenfest verpasst. Der Zusammenhalt und das Bewahren von Traditionen – das hat Carola Verkoyen schon immer fasziniert. Ihr Onkel Josef Terhaag war Mitglied im Trommlerchor und zurrte das Band der Verbundenheit zu den Schützen noch ein Stück fester. Ihren Ehemann Heinz lernte Carola auch bei den Schützen kennen, während eines Schützenfeste wurde geheiratet.

„Glaube, Sitte, Hoffnung“, diese Tradition und die damit verbundenen Werte möchte Carola Verkoyen nicht aufgeben. Es gelte, diese Verantwortung zu übernehmen – sowohl im weltlichen und auch im kirchlichen Bereich. Denn seit jeher hat sich die St. Lambertus & Junggesellen Bruderschaft auch der Kirche verpflichtet. Auf Befehl des Herzogs Johann Wilhelm I. von Jülich, Kleve und Berg wurden 1597 ein Schützencorps errichtet. Dieses weltliche Corps nahm sich den Heiligen Lambertus zum Schutzpatron und besiegelte damit auch die Verbundenheit zur Kirche.

„Das gehört zu unserer Bruderschaft einfach dazu“, erklärt Carola Verkoyen, die sich in der Bruderschaft auch um die Jugendarbeit kümmert. Außerdem nimmt sie mit dem Luftgewehr auch an den sportlichen Schießwettbewerben teil – im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften im Bezirk Nettetal-Grefrath.

Nun allerdings hat sich Carola Verkoyen einen Traum erfüllt. „Ich wollte schon immer einmal Schützenkönigin werden“, sagt sie. Bei Krönungsball wurden ihr Zepter und Königskette überreicht. Zu ihren Ministern ernannte sie Andreas Lack und Uwe Mertens. Am ersten Septemberwochenende wird nun das Schützenfest gefeiert – mit einer Königin an der Spitze.

(StadtSpiegel)
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