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Bilder von Flucht und Zuversicht

Bilder von Flucht und Zuversicht
Die jungen Flüchtlinge vor einem ihrer Bilder. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Auf sechs Gemälden haben junge Flüchtlinge ihre Erlebnisse und Gefühle verarbeitet. Im Jugendzentrum Arche in Lobberich wurden die Werke vorgestellt. Von Joachim Burghardt

Feuerrot die Funken, gelb schimmern die Flammen, verbrannt die Erde. Davor Wasser, nichts als Wasser. Auf dem schmalen Grat zwischen Feuer und Wasser Menschen, dichtgedrängt, ihre Arme hochgereckt als stumme Hilfeschreie. „Uns blieb nur die Flucht übers Meer, viele wurden erschossen, alles zerbombt, aber jetzt bin ich ja hier“, erzählt ein hagerer Junge aus Afrika. Er zeigt auf das große Bild mit Feuer und Wasser, an dem er mit gemalt hat. Eins von sechs Gemälden, die im Jugendzentrum Arche in Lobberich vorgestellt wurden.

Die Malaktion ist ein Gemeinschaftsprojekt von Kirchen, Sozialverband und dem Lobbericher Künstler-Ehepaar Minten-Rathner. Motto der dreitägigen Aktion im Atelier Minten: „Positionen: Wo komm ich her, wo bin ich jetzt, wo will ich hin?“ Dazu Brigitte Minten-Rathner: „Manche hatten noch nie mit einem Pinsel oder Stift gearbeitet, wir haben ihnen Mut gemacht, es einfach zu probieren.“

Umso beeindruckender die Bilder von Flucht und Zuversicht, die die Jugendlichen mit verschiedenen Maltechniken auf die Leinwände gebannt haben – von minutiösen Details bis zu collagenhaften Szenen: Menschenmengen vor Grenzzäunen, Panzer und Maschinengewehre, ein Gesicht ohne Konturen und Körper, aber auch Herzen, lachende Gesichter und die Sonne über dem Schriftzug „Deutschland“.

„Malen ist wie sprechen, die jungen Leute erzählen in Bilder von ihren Erlebnissen und Gefühlen“, erläutert Salvatore Minten. Unterstützt und mitfinanziert wird das Projekt vom Katholischen Kirchengemeindeverband Nettetal (KGV), wie Stephan Pläp erklärt: „Das Engagement in den Gemeinden ist groß, etwas für Flüchtlinge und für ihre Integration zu tun.“ Der Leiter der Arche berichtet zudem, dass junge Flüchtlinge im Jugendzentrum „schnell Kontakte gefunden, ja Freundschaften geschlossen mit deutschen Jugendlichen.“

Einige der jungen Künstler wohnen im früheren Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck: „Hier betreuen wir unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, und wir begrüßen es, dass sie bei der Aktion mitmachen konnten“, sagt Ibrahimi Fatbardh von der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe. Die jungen Künstler selbst sind eher still, einer zeiht auf das Werk mit den Flammen, sagt leise: „Bild ist wie mein Leben.“

(StadtSpiegel)