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Baum oder Solaranlage?

Baum oder Solaranlage?
Die Platane vor dem Kaldenkirchener „Quartier Latin“ stand vor einem Jahr in der Diskussion. Die FDP hatte sich für eine Fällung ausgesprochen. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Bäume werfen Schatten, auch auf Solaranlagen. Was einen Bürger störte, der sein Dach mit Photovoltaik bestückt hatte und danach bei der Stadt einen „Antrag auf Baumfällung“ stellte. Wasser auf die Mühlen der FDP, die eh alle großen Bäume in der Stadt weg haben will. Von Joachim Burghardt

Stein des Anstoßes: Die Roteiche neben seinem Grundstück werfe mittlerweile „durch ihre Größe massiv Schatten“, klagte der Bürger. Die Solarthermie-Anlage könne „dadurch nicht so effektiv arbeiten wie geplant“. Die Fällung des Baumes würde er auf eigene Kosten erledigen und dann einen neuen Baum pflanzen.

Die Baumkommission, bestehend aus Mitgliedern der Verwaltung und des Umweltausschusses, begutachtete die Situation vor Ort. Ergebnis, wie übrigens schon in einem ähnlichen Fall im November 2015: „Nach Einschätzung des Kommission überwiegt der Baumschutz den Zweck der Optimierung der Nutzung der solaren Warmwasserbereitung.“ Kurzum: „Der Antrag wird abgelehnt.“

Aufbegehren deshalb bei der FDP: „Die Stadt sollte auf großwüchsige Bäume im Stadtgebiet verzichten“, forderte Michael Eichler nicht zum ersten Mal. Als vor einem Jahr der Erhalt der großen Platane vor der Kaldenkirchener Kneipe Quartier Latin zur Diskussion stand, hatte er sich „für die Fällung des Baumes“ ausgesprochen. Seine Fraktion wolle überhaupt „alle großen Bäume im Stadtgebiet durch kleinere ersetzen“.

Die Platane blieb bekanntlich stehen – und die FDP bei ihrer Forderung. Eichler rechnete im Ausschuss vor, eine effektive Photovoltaikanlage vermeide mehr schädliches Treibhausgas CO

als ein Baum in 80 Jahren aus der Atmosphäre filtere. Diese Rechenspiele ließ Helma Josten (CDU) nicht gelten: „Der Baum stand schon vor der Solaranlage.“

Große Gehölze seien fürs Ökosystem im bebauten Bereich wichtig und wesentlicher Teil der Stadtgestaltung, erläuterte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche: „Wir werden auch weiterhin ordentliche Bäume pflanzen!“ Im Übrigen sollte ein Hausbesitzer vor dem Einbau einer Solaranlage „überlegen, wo sie am wenigsten beschattet“ werde.

Dem Bürger empfahl der Ausschuss deshalb „Alternativen zum derzeitigen Installationsstandort“ seiner Solaranlage: „Auf dem Dach der Gerätehalle, die weiter zurück liegt, ist keine Beschattung vorhanden.“ Und zum Vorhaben der FDP meinte Ausschussvorsitzender Guido Gahlings (Grüne): „Wenn wir jetzt Solaranlagen gegen Bäume abwägen, dann ist das in Sachen Klimaschutz kontraproduktiv.“

(StadtSpiegel)