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Aufstehen!

Aufstehen!
Harmonie in der Gruppe ist gefragt bei den Proben der Ballettschule Annette Schulz. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Beschwingte Walzerklänge in der Kirche, Frauen schmiegen sich tanzend im Takt, rasen dann rasant zu rockigen Rhythmen im Kreis, bis plötzlich die Musik abbricht, die Tänzerinnen halten inne: Tänzerinnen der Ballettschule Annette Schulz proben in der Alten Kirche in Lobberich für ihre neue Aufführung "Aufstehen – Auferstehen – dem Leben in die Arme laufen". Von Joachim Burghardt

"Sehr gut, aber bitte alles was fließender, leichter", ruft Annette Schulz. Bei aller Freude am Tanzen geht es doch konzentriert und ernsthaft zu bei den Proben.

"Ums Aufstehen geht es, darum, dass gerade Frauen im Leben oft Situation erleben, die sie niederdrücken können, Scheitern, Trennung, Trauer etwa, und dass es für sie doch immer wieder Hoffnung geben kann", erklärt Schulz. Schöne Beispiele dafür hat die Leiterin der Ballettschule Annette Schulz in der Bibel gefunden, Textstellen bei den Propheten etwa oder die Szene im Lukas-Evangelium von der Frau mit gekrümmtem Rücken, niedergedrückt von einem Dämon. Bis Jesus sie heilt vom Leiden.

Gerade solche Beispiele mache die Bibel für alle, Frauen wie Männer, so lebensnah, sagt Schulz, da müsse man kein Christ sein, um diese Hoffnung zu spüren. Um sie tänzerisch darzustellen, hat sie die Choreografien geschrieben und Diplom-Theologin Lucia Traut die Texte. Die Kartennachfrage für die drei Aufführungen Ende März ist laut Schulz jetzt schon groß.

Und so proben sie eifrig, die 32 Tänzerinnen zwischen 16 und 62 Jahren aus Nettetal, Viersen und Umgebung. Unter ihnen Petra Wolters, die in der Szene "Zurückgelassen" ausdrucksstark vortanzt, wie selbst Verlust und Trauer in der Suche nach dem Sinn des Lebens münden: Sie tanzt im blauen Gewand unten auf dem Boden, dann auf, hinaus, nach der verstorbenen Freundin heischen und haschen, erst taumelnd greifend nach Trost und Hoffnung, schließlich sich aufraffen, nicht klammern, sondern schwungvoll ausdrücken: "Ich mache was aus meinem Leben".

Die Solistin trotzt den kühlen Temperaturen in der Kirche, tanzt barfuß: "Wenn du dich in dieses Thema Aufstehen im Leben hinein fühlst, wenn du selbst solch eine Situation erlebt hast, wenn du genau das tanzt, dann zählt alles andere nicht mehr." Sagt's und reiht sich ein in den Reigen der Tänzerinnen: Sie scheinen leichtfüßig zu schweben. Halten dann inne und sinken herab, kauern in der Hocke und recken sich hoch, lassen sich fallen, liegen am Boden und rappeln sich auf, schwingen sich empor, getragen und beflügelt von Walzerklängen in der Alten Kirche.

(StadtSpiegel)