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Ärger mit dem Acker

Ärger mit dem Acker
Rätsel um die Plastikfolie in der Komposterde: Hans-Gerd Braßler auf dem Feld an der Kaldenkirchener Steyler Straße. FOTO: Joachim Burghardt
Nettetal. Anwohner der Steyler Straße in Kaldenkirchen finden Folienstücke auf dem Feld einer Baumschule, Behörden und Formen aber sehen keinen Handlungsbedarf: Reststoffe gelangen durch unsaubere Mülltrennung in den Kompost. Von Joachim Burghardt

Für die idyllische Landschaft mit dem Wald hinterm Feld hat Hans-Gerd Braßler in diesen Tagen kaum einen Blick: "Voll mit Stückchen von Plastikfolie" sei die Komposterde auf diesem Feld der Baumschule Lappen gewesen, sagt er und zeigt auf die umgepflügte Fläche. Wie manche Anwohner der Steyer Straße mache er sich Sorgen um die Umwelt, man habe einige "Beweisstücke" gesammelt, sich an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Viersen gewandt.

Zuständig sei in solch einem Fall gar nicht die Untere Naturschutzbehörde, sondern die Landwirtschaftskammer, ließ der Kreis Viersen auf Nachfrage durch seinen Sprecher Markus Wöhrl mitteilen. "Das stimmt nur bedingt", meinte jedoch Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW: Für Zusammensetzungen und Nährstoffgehalt sei die Kammer zuständig, die Naturschutzbehörde hingegen für umweltrelevante Funden von Rückständen.

Die Anfrage aus Kaldenkirchen "haben Kammer und Naturschutzbehörde überprüft". Ergebnis: "Es gibt wohl keinen Grund zu Beanstandungen." Allerdings schränkte Rüb ein: "Die zunächst auf dem Feld aufgeschüttete Komposterde ist mittlerweile in den Boden eingebracht worden, da lässt sich kaum noch irgendetwas nachweisen."

Es sei eben alles in Ordnung, hieß es dazu bei der Baumschule Lappen: "Wir haben Kompost von der Firma Reterra liefern lassen, alles zertifiziert und sauber", stellte Betriebsleiter Jörg Hoffmann klar: "Ich komme auch gerne raus und kläre Missverständnisse vor Ort."

Bei Reterra in Erftstadt bestätigt man zwar die "Güte der Produkte", eine Garantie auf hundertprozentige Reinheit von Komposterde aber könne es nicht geben. Unternehmenssprecherin Irmgard Leifert verweist auf "die gesetzlich festgelegte Toleranzgrenze von 0,5 Prozent Fremdstoffen".
Alles, was beispielsweise Verbraucher unerlaubterweise in die Braune Tonne gäben, Plastikverpackungen von Obst etwa, lande letztlich in den Komposttieranlagen: "So können leider schon mal minimale Rückstände in Komposterde durchaus vorhanden sein." Leifert appelliert deshalb an die "Mitverantwortung der Bürger in Sachen Mülltrennung".

Bei den Bürgern an der Steyler Straße indes bleibt Ratslosigkeit zurück – Braßler: "Wir haben doch die Folien und Plastikstücke im Kompost gesehen, das kann doch nicht rechtens sein."

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