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Abfallbetrieb Kreis Viersen erklärt seine Pläne

Kreis Viersen. Wir veröffentlichen an dieser Stelle die vollständige Pressemitteilung des Kreises Viersen zum Thema „Wertstoff- und Logistikzentrum (WLZ) im Industriebetrieb VeNeTe. Möglicherweise dient der Beitrag zur Versachlichung des Themas. Von der Redaktion

Abfallberge in Kaldenkirchen? Gestank in Wohngebieten? Nach der Informationsveranstaltung des Abfallbetriebes des Kreises Viersen (ABV) zum geplanten Wertstoff- und Logistikzentrum im Nettetaler Industrie- und Gewerbegebiet VeNeTe gehen Befürchtungen, Sorgen und Spekulationen um. Viele Bedenken sind entstanden, weil Tatsachen verdreht wurden. Der ABV möchte mit dieser Information allen Bürgern eine Diskussionsgrundlage geben.

„Es geht hier weder um eine Abfalldeponie, noch um gefährliche Schadstoffe“, erklärt Bau- und Umweltdezernent Andreas Budde, der auch Betriebsleiter des ABV ist. „Wir werden in einer geschlossenen Halle Abfalll umladen und direkt wieder abtransportieren. Unser Ziel ist, die Abfallgebühren für unsere Bürger im Kreis Viersen möglichst niedrig zu halten.“

Was passiert im WLZ?

In unserem Wertstoff- und Logistikzentrum kümmern wir uns um die Abfälle der Bürger im Kreis Viersen. Sie werden von den Sammelfahrzeugen aus den Städten und Gemeinden gebracht, auf größere Lastwagen verladen und dann zu den Verwertungs- bzw. Entsorgungseinrichtungen gefahren. Diese Einrichtungen liegen soweit vom Kreis entfernt, dass ein Transport direkt mit den Sammelfahrzeugen unwirtschaftlich ist. Zum Beispiel wird der Restabfall (grau Tonne), der die größte Menge mit circa 60.000 Tonnen ausmacht, in Solingen bzw. Köln verbrannt.

Hierbei sind die Städte und Gemeinden für die Sammlung der Abfälle zuständig. Alle Städte und Gemeinden im Kreis haben diese Leistung an verschiedene Unternehmen vergeben. Der Abfallbetrieb des Kreises Viersen ist für die Annahme und die Entsorgung der Abfälle zuständig.

Warum braucht der ABV plötzlich ein eigene Logistikzentrum?

Bis jetzt wird der Abfall in Süchteln umgeladen. Diese Anlage gehört aber nicht dem Abfallbetrieb des Kreises Viersen. Die Verlängerung des Vertrages mit dem jetzigen Dienstleister ist aus rechtlichen Gründen (europäisches Vergaberecht) nicht möglich. Durch eine eigene Anlage schaffen wir für die Zukunft die Möglichkeit, dass sich viele verschiedene Unternehmen an Ausschreibungen zur Entsorgung beteiligen können. Und mehr Wettbewerb führt bekanntlich zu besseren Preisen, die den Bürgern im Kreis Viersen durch günstige Abfallgebühren (sie werden von den Kommunen individuell berechnet, da noch die Kosten für die Entleerung hinzukommen) zugutekommen.

Eine eigene Anlage machte es auch den Städten und Gemeinden einfacher, Ihre Leistung des Einsammelns besser zu planen und zu vergeben.

Dass der Abfallbetrieb des Kreises Viersen bestrebt ist, die Gebühren so niedrig wie möglich zu halten, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Vor drei Jahren mussten Entsorgungsgebühren von circa 20 Millionen Euro auf die Städte und Gemeinden umgelegt werden, heute sind es nur noch circa 15 Millionen Euro.

Warum ausgerechnet das Gewerbegebiet VeNeTe?

Für die Standortsuche wurden insbesondere folgende Kriterien herangezogen. Die Lage sollte im Kreis Viersen sein, es musste ein Standort in einem Industriegebiet sein und das Zentrum sollte möglichst direkt über die Autobahn erschlossen sein. Diese Kriterien treffen auf das Gewerbe- / Industriegebiet VeNeTe zu.

Der Autobahnanschluss wurde dabei extra für VeNeTe neu angelegt, um das umliegende Straßennetz möglichst wenig zusätzlich zu belasten. Dabei war es notwendig, dass an der Anschlussstelle eine Kreisstraße verläuft, denn Autobahnanschlussstellen werden nur an Kreis- / Landes- oder Bundesstraßen gebaut. Hier hat der Kreis schon Verantwortung gezeigt und im Zuge des Autobahnbaus die Kreisstraße Nr. 2 errichten lassen.

Wie viel Lärm, Geruch und Verkehr entstehen?

Selbstverständlich werden beim Bau des Wertstoff- und Logistikzentrums gesetzliche Standards (Lärm, Geruch, Verkehr) eingehalten.

Die Sorgen und Fragen der Bürger in Kaldenkirchen und Leuth nimmt der Abfallbetrieb des Kreises Viersen sehr ernst. Daher hat er auch die Informationsveranstaltung am 11. Oktober 2017 durchgeführt. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wäre das nicht zwingend notwendig gewesen. Der Abfallbetrieb möchte das Projekt aber in der Öffentlichkeit transparent präsentieren und erklären.

Die Planer und Gutachter haben erste Ergebnisse der Gutachten zu Lärm, Geruch und Verkehr in der Informationsveranstaltung präsentiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen durch die Anlage für die angrenzende Wohnbebauung gering bis vernachlässigbar sind. Die Auswirkungen liegen im Rahmen dessen, was die Stadt Nettetal mit der Planung und Ausweisung des Gewerbe- und Industriegebietes prognostiziert hat.

Die Absauganlagen haben moderne, effiziente Filter, die Gerüche filtern. Ein leichter Unterdruck in der Halle, in der der Restabfall und der Bioabfall umgeladen werden, sorgt dafür, dass auch beim Öffnen der Tore für LKW kaum Gerüche entweichen.

Durch die Umladung in den geschlossenen Hallen wird der Lärm maßgeblich reduziert. Im Wertstoff- und Logistikzentrum werden keine Müllhalden angelegt. Der Abfall wird direkt weiterverladen und abtransportiert. Auch der Bioabfall wird dort nur umgeladen und nicht gelagert oder behandelt. Für den örtlichen Bedarf wird Kompost als zertifiziertes und güteüberwachtes Produkt von der geplanten Behandlungsanlage in Kamp-Lintfort wieder zur Anlage gefahren. Der typische Geruch aus Kompostierungsanlagen entsteht deshalb nicht.

Verkehrslenkung durch Verträge

Die An- und Abfahrtswege der Sammel- und Transportfahrzeuge können im Rahmen der Beauftragungen durch die Städte und Gemeinden bzw. den Kreis vorgegeben werden, so dass sensible Bereich in Kaldenkirchen von Durchgangsverkehr freigehalten werden. Die Sammelfahrzeuge, die in Kaldenkirchen selber sammeln, fahren natürlich weiterhin dort.

Der Kreis wird vorgeben, dass die Transportfahrzeuge (hier ist er selber Auftraggeber) die Anschlussstelle Kaldenkirchen-West nutzen müssen. Mit den relevanten Gemeinden ist der Abfallbetrieb des Kreises Viersen im Gespräch, dass auch diese entsprechende Vorgaben machen. Erste Zusagen liegen schon vor. Solche Vorgaben macht übrigens keine private Logistikfirma. Einen 24-Stunden-Betrieb, der grundsätzlich in einem Industriegebiet zulässig wäre, wird es bei der Anlage nicht geben.

Entsorgung als Gemeinschaftsaufgabe

Die Entsorgung des Abfalls der Bürger im Kreis Viersen war und ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Auswirkungen tragen bzw. trugen auch schon andere Städte und Gemeinden. So gibt es zwei ehemalige Deponien auf Viersener Gebiet. Die Entsorgung der Abfälle aus dem gesamten Kreis Viersen erfolgte viele Jahre über die Deponie in Viersen Süchteln. Weiterhin gab es Deponien in Elmpt und Brüggen. In Betrieb sind noch eine Deponie für anorganische Abfälle in Brüggen sowie die Kompostierungsanlage in Süchteln, in der alle Bioabfälle aus dem Kreis bis 2020 kompostiert werden.

Anlage hat Vorteile für Nettetaler

Über den Bau des Logistikzentrums hinaus hat der Abfallbetrieb des Kreises Viersen den Wunsch der Stadt Nettetal aufgegriffen, dort einen Wertstoffhof zu errichten. Er wird der modernste und kundenfreundlichste im weiteren Umfeld werden. Die Abladeplätze sind überdacht, die Container stehen in abgesenkten Mulden, so dass die Wertstoffe ohne große Mühe abgeladen werden können.

Der ABV zahlt der Stadt Nettetal für das WLZ ein jährliches Standortentgelt. Es wird auch anderen Städten und Gemeinden gezahlt, die Standorte für die Gemeinschaftsaufgaben des ABV sind.

(StadtSpiegel)