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„Noch nichts beschlossen“

„Noch nichts beschlossen“
Die Polizeiwache in Kaldenkirchen steht derzeit auf dem Prüfstand. Berichte darüber, dass das Ende der Wache bereits beschlossen sei, sind aber falsch. FOTO: Claudia Ohmer
Kaldenkirchen. Bei Facebook war in einer Nettetaler Gruppe das Gerücht aufgetaucht, die Polizeiwache Kaldenkirchen werde zum Jahresende geschlossen. Von der Kreispolizeibehörde gibt es dazu weder eine Bestätigung noch ein Dementi – es ist noch keine Entscheidung gefallen. Von Heike Ahlen

Die Menschen, die bei Facebook diskutieren, sorgen sich um ihre Sicherheit. Und darum, dass etwas „im Geheimen“ und „an uns vorbei“ laufen könnte. Zumindest dem kann die Polizei entgegen treten. „Wie jede andere Verwaltung auch, so prüft auch die Kreispolizeibehörde Viersen immer und regelmäßig, ob die Arbeit der Behörde in der Aufbau- oder Ablauforganisation verbessert werden kann oder muss. Um die Funktionsfähigkeit einer Kreispolizeibehörde zu gewährleisten werden dabei fortlaufend verschiedenste Gedanken zur Organisation geprüft“, sagt Polizeisprecherin Antje Heymanns. In jedem Jahr werde Bilanz gezogen und geschaut, ob es „Verbesserungsmöglichkeiten oder -notwendigkeiten“ gebe. Dabei stehe immer die Sicherheit der Bürger im Mittelpunkt.

Wer den Notruf wählt, landet in der Leitstelle in Viersen. Die Streifenwagen stehen nicht auf den Wachen, sondern sind im Kreisgebiet unterwegs. Zu einem Einsatz kommt dann immer das Fahrzeug, das sich am nächsten zur Einsatzstelle befindet, unabhängig davon, an welcher Wache es stationiert ist. Sollten „Organisationsanpassungen“ – hinter diesem Wort kann sich vieles verbergen, auch die Schließung einer Wache – angestrebt werden, gebe es ein transparentes Verfahren. Dann würden „rechtzeitig entsprechende Gremien beteiligt und Genehmigungsverfahren eingeleitet“, so Heymanns. Bisher seien aber keine Entscheidungen zur Organisationsanpassung getroffen worden.

Kurz nachdem diese Berichterstattung auf der Internet-Seite des Extra-Tipps veröffentlicht wurde, erreichten die Redaktion Informationen aus Polizeikreisen. Das Gerücht, die Kreis-Polizei müsse sich neu aufstellen, weil es an Nachwuchs fehle, gehe bereits seit einiger Zeit in der Behörde um. Es gebe – vor allem in Nettetal – viele Beamte höheren Alters, so um die 55 Jahre, die zum Teil auch nur noch eingeschränkt Dienst tun könnten. Die Wachen Nettetal und Willich sollten deswegen nur noch am Tage besetzt sein. Bereits jetzt würden Führungskräfte von dort in Richtung Viersen und Kempen abgezogen. Eine Studie des NRW-Innenministeriums hatte bereits 2013 ergeben, dass 40 Prozent der Beamten die 50 bereits überschritten haben – im Kreis Viersen sind es inzwischen schon mehr als die Hälfte. Der Innenminister hatte darauf mit der Ankündigung reagiert, mehr Polizisten auszubilden. Trotzdem werde die Zahl der Polizisten landesweit auf Dauer sinken. Auch im Kreis Viersen werden deshalb Modelle entwickelt, wie damit umzugehen sei. „Tatsächlich ist die Überlegung, die Wache in Kaldenkirchen nicht mehr nachts zu besetzen, eines von mehreren möglichen Szenarien. Aber beschlossen ist noch nichts“, sagt Polizeidirektor Manfred Krüchten. Und auch gegen den Vorwurf, die Bürger würden nicht informiert, wehrt er sich. Der aus Kommunalpolitikern bestehende Polizeibeirat sei „als Bindeglied in die Überlegungen einbezogen und transparent und umfassend informiert“ worden.

(Report Anzeigenblatt)