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„Lost Places“ in Szene gesetzt

Nettetal (red). Fotografien hängen an rostigem Metall und Maschendrahtzaun, der sich um alte Holzpaletten wickelt. Fotografien, die von Vergänglichem erzählen - von so genannten „Lost Places“. Diesen verlassenen Orten widmet sich eine Ausstellung, die am Samstag in Breyell öffnet. Von Claudia Ohmer

Einst arbeiteten hier Tausende von Menschen, produzierten feine Stoffe. Heute ist sie Geschichte, existiert nicht mehr - die Textilfabrik Niedieck in Nettetal. Die Fotografin und Redakteurin Claudia Ohmer hat noch kurz vor dem Abriss die Fabrik besucht und Erinnerungen auf Fotos festgehalten. Diese sind nur ein Teil der Ausstellung unter dem Motto „Ein ’hungriger Ort’ trifft viele ’Lost Places’, die speziell zum „Tag der Architektur 2015“ NRW kommenden Samstag öffnet.

„Jeder verlassene Ort hat seine Geschichte. Man muss genau hinschauen, aufmerksam hinhören, was sie einem erzählen wollen, wenn nach Jahren der Verlassenheit ihre wilde Schönheit neu entdeckt wird“, so die Innenarchitektin Anthoula Kapnidou, die das „Experiment“ initiiert hat. Das ehemalige Ladenlokal in Breyell am Lambertimarkt 21 öffnet seine Türen am Samstag, 27. Juni, und zeigt in einer künstlerischen Rauminstallation die Fotografien der „Lost Places“ von Claudia Ohmer.

„Es beeindruckt mich, wie sich die Natur ihr Territorium zurück erobert, wie sich an diesen Orten ein Zauber des Zerfalls entwickelt, eine besondere Atmosphäre des Morbiden“, so Claudia Ohmer. Ob verlassene Industrieanlagen, verwaiste Krankenhäuser, still gelegte Freizeitparks, immer wieder entdeckt sie auf ihren Reisen im Kreis, in Berlin, in Belgien oder auch dem Ruhrgebiet Plätze, die früher genutzt wurden und nun vergessen sind. „Auch im alten Frauengefängnis in Anrath, sonst unzugänglich, hatte ich die Möglichkeit zu fotografieren und die Motive für die Ewigkeit festzuhalten.“

Von der gleichen Begeisterung ist auch Anthoula Kapnidou erfasst, wenn sie brach liegende Orte entdeckt, die danach „hungern“, neu gestaltet zu werden und sei es temporär. So ist die Idee zum Projekt „Hungrige Orte“ entstanden. Umgesetzt wurde diese Idee im „Experiment“, einem „hungrigen“ Raum, der nach Kreativität und Belebung verlangte.

(StadtSpiegel)